Über falsche Propheten


Heute befasse ich mich ein wenig mit einem wordpress-„Kollegen“. Dabei werde ich payoli und seinen „paradise your life“-Blog in schlimmster Weise diffamieren und durch den Dreck/Kakao ziehen, aber das ist gut so, denn es ist (meiner Meinung nach) berechtigt.

Aufmerksam wurde ich auf den Genossen, als ich einen Artikel von Assistenzarzt kommentierte, der die hohe Arbeitsbelastung von Ärzten in deutschen Krankenhäusern zum Thema hat. Payoli kommentierte diesen sehr abfällig und beschuldigte die moderne Medizin als solche, Krankheiten zu „erfinden“ und den Menschen eher kränker als gesünder zu machen. Daraus entspann sich eine kleine Diskussion, in der Payoli auch relativ häufig auf seinen eigenen Blog verwies. In diesem Artikel werde ich Payolis System darstellen und versuchen, die Sinnlosigkeit und Gefährlichkeit(!) seiner Ideologie (so nennt er sie selbst) aufzuzeigen.

Hier also mal einige Zitate aus seinem Blog und der Diskussion, dazu meine Sicht der Dinge:

Es ist einfach ein beispielloser Skandal, dass Menschen heute noch immer erkranken müssen.

Lebenslange Dauergesundheit war Jahrmillionen der einzige und selbstverständlichste Zustand und könnte es auch heute noch für jedermensch sein!

Beim ersten der beiden Sätze musste ich lauthals lachen. Wie? Bitte? Krankheiten?! Gehören jawohl sofort verboten! Payolis Grundthese ist, dass Krankheiten von der Evolution nicht vorgesehen sind. Jeder Mensch könne bei entsprechender Ernährung mindestens 120 Jahre alt werden. Dass das so nicht stimmen kann, sagt einem schon die Logik. Wenn der Mensch nicht an Krankheiten stürbe, dann müsste er stets durch äußere Umstände zu Tode kommen, also wahlweise vom Auto überfahren werden, vom Baum fallen oder in Eritrea eine Kugel zwischen die Schulterblätter bekommen. Die Weltbevölkerung würde sprunghaft anwachsen. Evolutionär ist nämlich genau das Gegenteil geplant. Das Ziel (vom Sinn des Lebens wage ich nicht zu sprechen) des Lebens ist die Weitergabe der eigenen Erbinformationen und das Sicherstellen des Fortbestands der eigenen Art. Von vielen Tierarten ist bekannt, dass sie direkt nach dem Geschlechtsakt sterben: bei vielen Spinnenarten wird das (meist kleinere) Männchen vom Weibchen ganz einfach verspeist, Drohnen werden nach dem Hochzeitsflug generell aus dem Bienenstock gejagt und verenden. Wer nicht nach einer gewissen Zeit (die je nach Art auch mal etwas länger sein kann) stirbt, wird automatisch zum Nahrungs- und Territorialkonkurrenten der nächsten Generation.

Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel. Von drei Tierarten wird angenommen, dass sie unsterblich sind. Die Qualle Turritopsis nutricula ist in der Lage sich durch Transdifferenzierung (Umwandlung einer Zellart in eine andere) wieder in einen Polypen (quasi das erste Stadium der Quallenentwicklung) zurück zu entwickeln. Dieser Zyklus kann unendlich oft wiederholt werden, was Turritopsis nutricula biologisch unsterblich macht. Auch gewisse Seegurkenarten und Süßwasserpolypen stehen im Verdacht, nicht zu altern. Natürlich können aber auch all diese Arten durch äußerliche Prozesse getötet werden.

Dass unsere Vorfahren (die mit starkem Haarwuchs, nicht die von vor 100 Jahren) seltener krank waren, will ich nicht bestreiten. Man holte sich weniger Influenza-Viren ab (keine Aufenthalte in geschlossenen, schlecht gelüfteten, überfüllten Räumen) und verbrachte sein Leben nicht auf Bürostühlen (keine Hämorrhoidenleiden). Dass unsere Vorfahren jedoch nie krank waren, ist eine unhaltbare These. Als Beispiel können Viren dienen. Zu ihrer Entstehung gibt es drei verschiedene Theorien, jede von ihnen geht jedoch davon aus, dass es Viren schon lange vor dem Menschen gab. Außerdem leidet man logischerweise an weniger ernsthaften Krankheiten, wenn schon die erste einen mangels Behandlungsmöglichkeiten aus dem Leben schießt.

Wir sind an die verarbeitete Milch wie wir sie kennen und noch weniger an Milchprodukte biologisch, genetisch angepasst, da Milch (von fremden Tierarten) in unserer ganzen Evolutionsgeschichte keine Rolle spielte. […] Milch, vorzugsweise Kuhmilch nutzen wir erst seit unserer Sesshaftwerdung vor einigen Tausend Jahren, was für eine biologische Anpassung aber viel zu kurz ist. Die Laktose- Intoleranz z. B. ist EIN Aspekt dieser Nichtangepasstheit.

Auch diese Aussage ist falsch. Die Fähigkeit, Milchprodukte zu verdauen, hat der Mensch in einem für evolutionäre Vorgänge rasantem Tempo entwickelt. Joachim Burger, Molekularer Anthropologe an

Laktoseintoleranz weltweit

Laktoseintoleranz weltweit

der Universität Mainz, verglich die Gendaten von Skeletten aus der Jung- und Mittelsteinzeit (zwischen 7.800 und 7.200 Jahre alt) mit denen eines Merowingers (etwa 500 n. Chr.). Die Steinzeitler hätten mit der Laktoseverdauung größte Probleme bekommen, der Merowinger machte das mit Links. Während viele genetische Vorgänge hunderttausende oder sogar millionen von Jahren brauchen, passte sich der Mensch in wenigen tausend Jahren an die neue Nahrung an. Heutzutage leiden in Schweden ca. 2% der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz. Im nicht allzu fernen Dänemark sind es schon 5%, in Deutschland 15%, in Süditalien sogar 41%. In Südostasien verträgt so gut wie kein Mensch Laktose, nämlich 98%. Es besteht also keine Notwendigkeit, sich bis in alle Ewigkeit so zu verhalten wie Australopithecus. Einige tausend Jahre reichten durchaus, um sich biologisch an Milchprodukte zu gewöhnen. Wozu ist die Evolution denn gut, wenn man sich nicht mehr entwickeln will? Natürlich will ich den Zusammenhang von Milchprodukten und (teilweise schwerwiegenden) Erkrankungen wie Neurodermithis nicht verschweigen. Dabei handelt es sich allerdings um Ausnahmen. Der Großteil der Deutschen trinkt schließlich gerne und oft Milch, isst Eis und verputzt Käse und Butter.

Die Geburt, die jede ursprünglich lebende Frau ‘im Vorbeigehen’ erledigt …

Soso, im Vorbeigehen. Das funktioniert so vielleicht bei den Menschenaffen, jedoch nicht beim Menschen. Zwei Aspekte sind für die im Vergleich zum Tierreich deutlich größeren Schmerzen einer menschlichen Mutter verantwortlich: die größe des menschlichen Kopfes und der aufrechte Gang. Wir Menschen sind im Verlauf der Evolution (zumindest theoretisch) intelligenter geworden, unser Gehirn ist stark gewachsen und damit auch der ganze Kopf. Dieser muss bei einer normalen Geburt nun als erstes durch die Vagina, die leider nicht im selben Maße größer geworden ist, wie unsere Köpfe. Intelligenz tut weh – Ironie der Geschichte.

Der aufrechte Gang führte dazu, dass die Eingeweide nicht mehr von der Bauchdecke gehalten werden, sondern vom muskulären Beckenboden. Dieser muss bei der Frau also einerseits so straff sein, dass die Organe nicht nach unten rutschen, andererseits muss er ganze 10 cm Kindskopf durchlassen. Dieses Paradoxon bereitet Schmerzen. Im Gegenteil zu Payolis Aussage haben also selbst vor hunderttausend Jahren Geburten nicht schmerzlos stattgefunden, sondern in etwa so wie heute, natürlich ohne medizinische Hilfe.

Guck Dir die zu 98,6% mit uns genetisch identen Primaten an.

Zahlenspielereien – so beeindruckend sie sich in populärwissenschaftlichen Artikeln auch machen – sind in der Genetik fehl am Platz. Klar, die 98,6% stimmen. Jedes Kind erkennt, dass ein Schimpanse dem Menschen in Anatomie und Verhalten ähnelt. Etwas anders sieht die Sache aus, wenn man sich das gemeine Hausschwein ansieht. Vor kurzem wurde eine umfassende vergleichende Analyse

Dem Menschen ähnlich? Genetisch schon.

Dem Menschen ähnlich? Genetisch schon.

komplettiert, die das Schwein mit dem Menschen vergleicht. Ergebnis: die beiden Spezies gleichen sich genetisch gesehen enorm. Leider kam dabei keine schöne Gesamtprozentzahl heraus, aber diese dürfte auch bei über 90% liegen. Trotzdem ist der Mensch dem Schwein weder äußerlich noch kognitiv ähnlich. Das liegt ganz einfach daran, dass die fehlenden Prozente (beim Schimpansen 1,4%) einen himmelweiten Unterschied ausmachen können. Genetische Vorgänge sind hoch komplex und schon das Verändern eines einzigen Faktors kann zu grundverschiedenen Ergebnissen führen.

Aber es gibt mittlerweile soviele Belege und Beispiele von steinalten und topgesunden Rohköstlern, dass ich garantierte 120 werde, da ich neben der Ernährung auch noch andere essentielle Faktoren möglichst naturrichtig ausrichte. […] Die 120 Jahre sind sogar ‘wissenschaftlich wasserdicht’, Beispiele von höchstaltrigen Rohköstlern sind in der Literatur bekannt …

Tja, Rohkost ist nicht annähernd so gesund, wie man uns gern glauben macht. Viele Aspekte dieser Ernährung sind durchaus positiv, wenn man sie in Maßen umsetzt. Andererseits sind so gut wie alle Rohköstler unter- und mangelernährt, sie verlieren mehr Gewicht, als sie eigentlich sollten und sind folglich untergewichtig. Ein konsequenter Rohköstler hat eine deutlich geringere Lebenserwartung als ein sich gesund ernährender Mensch (wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst, Ballaststoffe etc.). Schon der Homo erectus, der vor etwa 1,9 Millionen Jahren zum ersten Mal auftauchte, bereitete seine Speisen über dem Feuer zu. Ein Alter von 120 Jahren erreichen nur die wenigsten Menschen. Leider war Payoli auf Anfrage nicht bereit mir Quellen oder namentliche Beispiele zur Selbstrecherche zu liefern, Zitat:

Leute, die nicht in der Lage sind bei all unseren heutigen (Internet-)Möglichkeiten die Arbeiten zu finden, in denen unsere biologisch angelegte Lebenserwartung von 120 Jahren herausgearbeitet wird, sind nicht meine Klientel.

Grundsätzlich sehe ich das so ähnlich. Leute, die in Foren einfachste Frage stellen und ganz einfach zu faul sind, Google zu nutzen, gehen mir gehörig auf den Senkel. Wo allerdings nichts zu finden ist, da kann auch nichts zu Tage kommen. Wikipedia berichtet von einigen sehr alten Rohköstlern, die allerdings maximal 99 wurden. Nimmt man sich jedoch 100.000 Menschen und vergleicht deren Alter, so werden stets einige die 100er-Marke sprengen. Tut man das selbe bei Rohköstlern, so ist dasselbe zu erwarten, auch wenn diese aufgrund ihrer ungesunden Ernährung eher früher als später sterben. Ebenso existieren zahlreiche Gegenbeispiele von Rohköstlern, die schon mit 59 oder 63 ins Gras bissen. Von teilweise skandalösen Fällen, in denen radikale Rohköstler-Eltern den Mangeltod ihrer Neugeborenen verschuldeten, will ich hier gar nicht erst anfangen. Fairerweise sei erwähnt, dass man sein Kind auch auf andere Weise umbringen kann und die Mehrzahl der Rohköstler sicherlich vorsichtiger ans Elternsein herangeht.

Wie wir sehen sind alle hier aufgelisteten Thesen Payolis entweder eindeutig falsch oder doch sehr zweifelhaft. Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Menschen, die eine gesunde Ernährung propagieren, damit Krankheitsrisiken senken, das Gesundheitssystem entlasten und natürlich auch die Lebensqualität der Menschen verbessern. Wenn aber Ernährungsfanatiker wie Payoli die moderne Medizin als solches ablehnen, von Vorsorgeuntersuchungen abraten und Impfungen verteufeln, dann hat das sehr wohl negative Auswirkungen. Menschen, die sich vertrauensvoll auf solche selbsternannten Propheten berufen und ihren Kindern sinnvolle Schutzimpfungen vorenthalten, müssen dann eventuell damit fertig werden, dass ihr Sprössling an Kinderlähmung oder Polio stirbt. Ein Familienvater erfährt, dass man den metastasierenden Darmkrebs schon viel früher hätte entdecken können, wenn er doch ab und zu mal eine Koloskopie gemacht hätte. Solche Menschen verlassen sich auf scheinbar seriöse Personen, die mit einfachen Phrasen wie „natürlich“, „bio“ etc. pp. ihr Geld verdienen. (was „bio“ ist, kann doch nicht schlecht sein). Denn was natürlich ist, muss noch lange nicht gesund sein. Es bedeutet einfach, dass unsere Vorfahren zu ihrer Nahrung kaum eine Alternative hatten. Wir haben die schon. Pommes, Mayo und Ethanol sind die eher schlechteren Alternativen (in Maßen kann der Nutzen – zu dem auch das Genießen gehört – natürlich den Schaden überwiegen), gekochte Nahrung und ab und zu Fleisch die besseren.

Also liebe Leser: Gebt euren Kindern Bananen und Äpfel mit in die Schule, statt sie mit Kinderbueno vollzustopfen (wer glaubt, das Weiße in Kinderschokolade sei wirklich gesunde Milch, der lebt doch hinterm Mond!), verzichtet öfter mal auf Fleisch (Was hier in Deutschland als vegetarische Kost auf den Tisch kommt, ist NICHT das Maß aller Dinge. Wie es richtig geht, zeigen viele indische und afrikanische Gerichte!), belästigt euren Hausarzt nicht 18 Mal im Jahr (Bundesdurchschnitt) und bewegt euch doch bitte ein bisschen. Sport ist keine Quälerei. Ich würde nie Sport treiben, wenn ich es nicht mögen würde. Man spielt Badminton, weil man das Spiel mag, nicht weil man auf Teufel komm raus abnehmen will. Wenn ihr aber ein echtes Problem habt, dann legt euer Leben in die Hand der modernen Medizin und glaubt bloß nicht, dass Gartenkräuter gegen Metastasen anstinken könnten.

In diesem Sinne schließe ich mit drei weiteren, sehr amüsanten Payoli-Zitaten:

Mich interessiert das Verdienen beim Gesundheitsthema überhaupt nicht!

Deine Gesundheitstipps sind für meinen Job das Problem Nr.1!

Ich halte Vorträge darüber, gebe Seminare und bin am Aufbauen eines Seminar- und Lebens- Zentrums …

Fotos: Rainer ZenzScott Bauer

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New Delhi, 41°C


Unsere Familie hat aufgrund von Überalterung (der Telefone, nicht der Personen) eine neue Telefonanlage erworben. Eine Basisstation, drei weitere schnurlose Kommunikationskeulen. Ich stehe also morgens auf, sitze im Bett und mein Blick fällt auf das neue Telefon. Ist seit zwei Tagen hier, ich nutze allerdings noch das alte. Zeit für eine kleine Inspektion. Liegt gut in der Hand, scheint telefonieren zu können, alles paletti. Ich drücke ein bisschen auf der Tastatur herum und erwische schließlich den roten Hörer. „16.06.2010; New Delhi, 41°C“ läuft über den Bildschirm. Bitte??? Klar, mein Vater hatte erwähnt, dass das Ding irgendwie mit dem häuslichen WLAN-Netz verbunden sei, aber wozu zum Henker brauche ich die Tageshöchsttemperatur der indischen Hauptstadt?! Klar, irgendwie ist mittlerweile alles vernetzt. Auf einem Handy ist ein Wetterdienst ja sehr praktisch, ebenso am PC. Wünschen würde ich mir auch einen kleinen Temperatursensor in meiner digitalen Armbanduhr: ich wüsste immer und überall, wie warm/kalt es gerade um mich herum ist; nicht gefühlt, sondern tatsächlich. Dass mir mein Schnurlostelefon, das wirklich nur für den Hausgebrauch konzipiert ist, die Temperatur in Neu-Delhi (Versuchsreihen ergaben auch Temperaturen in Prag, Mombasa, Los Angeles, Mexico City und Seoul) anzeigt, ist aber einzig und alleine ÜBERFLÜSSIG!

Eurovision Flashmob 2010


Der Höhepunkt des diesjährigen Eurovision Song Contest (früher Grandprix) war eindeutig der von Madcon performte Song Glow. Nicht so sehr wegen  des Songs selbst, der passte zwar perfekt zur Performance, war aber ansonsten eher mittelmäßig. Das Tolle daran waren die europaweit inszenierten Flashmobs. Tausende tanzten in den Straßen (in Hamburg sogar Zehntausende) und das sah dann doch ziemlich genial aus. Höhepunkt im Höhepunkt: der Herr in der Nordsee.

Also: Maximale Qualität, Vollbild und anschauen:

Eurovision Song Contest 2010 – Wie immer sinnlos, aber lustig


Es war wieder so weit – der größte und gleichzeitig qualitativ schlechteste internationale Musikwettbewerb hat 125 Millionen Zuschauern Musiker vor Augen geführt, die man eigentlich gar nicht sehen wollte. Und doch lief es dieses Mal irgendwie anders. Hatte man bisher eigentlich nur aufgrund des Fremdschäm- („Guckste mal Heinrich, da singt jemand noch schlechter als du!“) und Belustigungsfaktors eingeschaltet, so bestanden dieses Jahr tatsächlich Chancen für einen deutschen Sieg. Auch wenn die Kandidatin tanzt wie ein betrunkener Schimpanse und den Ruf des British English beinahe ruinierte, gewann diesmal ein qualitativ hochwertiger Beitrag. Irgendwie war es doch toll: ich war stolz auf die deutschen Massen bei der interaktiven Musiknummer, habe mir beim Anblick des serbischen Hermaphroditen fast in die Hose geschifft und dachte bei seinem Gesang an ein Dr. Cox Zitat („Oh Gott! Ich muss mich zur gleichen Zeit übergeben, und weinen. Ich … muss mich überweinen!„), fand das Zusammenspiel zwischen Lena und ihren Backgroundsängerinnen miserabel und amüsierte mich über die regelmäßigen Meldungen meines Vaters (Kommentar beim serbischen Auftritt: „Warum fängt der an zu wiehern?!„).

Operation dringendst empfohlen: Milan Stanković

Operation dringendst empfohlen: Milan Stanković

Wie immer tauschten die Osteuropäer ihre Stimmen untereinander, wie mein Bruder seine Panini-Bilder, in Nordeuropa tat man es ihnen gleich. Bis auf wenige Ausnahmen hatte allerdings jeder noch etwas für Deutschland übrig. Okay, „etwas“ ist vielleicht ein bisschen untertrieben. Russlands grandiose Publicity konnte den eigenen Beitrag nicht über die 100 Punkte Marke hieven: Die Invasion in Georgien beeindruckte die Bürger des Landes ebensowenig, wie die Drohung an sämtliche Nachbarn, bei einem schlechten Abschneiden die Gaslieferungen einzustellen. Griechenland erwies sich als ziemlich undankbar und vergalt deutsche Milliarden mit mageren 2 Punkten. Polen hingegen zeigte sich über das Fluten westlicher Hochwassergebiete sehr erfreut, nahm die subtil plazierten Panzerbrigaden an der brandenburgischen Grenze zur Kenntnis und revanchierte sich mit grandiosen 7 Punkten. Weißrussland, Europas letzte echte Diktatur, setzte die Annäherung an Mütterchen Russland fort, Israel zeigte sich von deutschen Bestechungsversuchen in Form vergünstigter U-Boote jedoch unbeeindruckt und setzt das seit 65 Jahren anhaltende Dauerschmollen fort. England schließlich rächte sich für die deutsche Schmutzkampagne gegen die nobelste Sprache der Welt, das britische (!) Englisch („kAnt“, nicht „kännt“!), und gönnte der neunzehnjährigen Hannoveranerin mit dem Akzent eines Bauern aus dem australischen Outback nur 4 Punkte.

Nun freuen wir uns also auf die morgige BILD („Wir sind Eurovision Song Contest!“), beobachten die ausländischen Charts und erwarten den grandiosen Empfang in Hannover. Das einzige, was Lena nun noch fehlt, ist die erste Biographie. Wird aber auch Zeit, sie ist ja schon 19!

Foto: Wikipedia

Gebt uns die PDAs zurück!


Smartphones, iPad, Netbooks: auf dem Weg zur eierlegenden Wollmilchsau werden Handys größer und Notebooks kleiner. Kompakt und handlich soll es sein, aber natürlich mit großem Bildschirm, ein leichtgängiger, unzerstörbarer  Touchscreen muss enthalten sein (am besten unterwasserfähig bis 200 Meter), USB, UMTS, WLAN, HDMI, und SDHC. Grundvoraussetzung sind außerdem eine revolutionäre Bedienung und ein atemberaubendes Design. Belanglos scheint nur der Preis zu sein, was man am iPad sieht.

Klassische PDAs sind mittlerweile zu echten Raritäten geworden. Palm zum Beispiel baut nur noch Smartphones, und das finde ich DOOF! Mein TX gibt so langsam den Geist auf: ausschalten tut er sich nur noch von alleine, weil der An/Aus-Knopf kaputt ist, und das Display produziert ein relativ hochfrequentes Fiepen, das für einen jungen Menschen wie mich noch deutlich hörbar ist. Und dabei liebe ich das Gerät! Keine sinnlose Tastatur beschneidet das Display, ich habe Kalender, Office-Programme, Navigation, mp3- und Videospieler, Schiffe-Versenken und Schach, eBook-Reader, ICQ, Webbrowser,

Palm TX (von 2005)

Palm TX (von 2005)

Emailklient, berliner U-Bahnplan und Wikipedia (offline) in einem. Ich kann mir jederzeit passende Programme herunterladen, ohne dass eine Firma mir vorschreibt, aus welchen ich wählen darf. Ich kann den Speicherplatz mit günstigen SD-Karten erweitern, ohne 100€ für 16 zusätzliche Gigabyte blechen zu müssen. Auf nutzlose Animationen kann ich verzichten und das Allerwichtigste: ich will nicht telephonieren. Ich besitze kein Handy und brauche auch keines, man kann mich weder orten, noch nerven oder zuspammen.

Und Alternativen? iPad: zu groß. Ich brauche etwas für die Hosentasche. iPhone: man schreibt mir vor, welche Programme ich verwenden darf, es ist ein Telephon und es ist restlos überteuert. Andere Smartphones? Können telephonieren. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Telephone hätte, aber die ermöglichen es Leuten (fremden wie bekannten), mich zu nerven. Ich kann ihnen erzählen, ich hätte kein Handy, aber wenn sie dann zufällig mein Smartphone sähen, käme das einer groben Beleidigung gleich. Außerdem nimmt die Elektronik für ein Handymodul Platz weg, den man sinnvoller nutzen könnte. Die Hälfte der Smartphones besitzt störende Tastaturen und fällt damit auch aus (außerdem kein Touchscreen vorhanden).

Ein iPhone mit leicht größerem Bildschirm, SD(HC)-Kartenschlitz, freier Programmauswahl und ohne Telephonmodul wäre wahrscheinlich das, was ich suche, aber der Weltmarkt ist nunmal kein Wunschkonzert, und da sich außer mir scheinbar niemand mehr nach PDAs sehnt, muss ich mich wohl mit dem Siegeszug der Smartphones abfinden.

Foto: Stefano Palazzo