Star Wars 2010


Dass ferngesteuerte Drohnen am Hindukusch in 10.000 Metern Höhe operieren, Talibanstellungen bombardieren und Gebirgsterretorien aufklären, ist ja mittlerweile hinreichend bekannt. Immer wieder erreichen uns Nachrichten von Kollateralschäden, von getöteten und verstümmelten Zivilisten, aber auch von erfolgreich eliminierten Top-Terroristen, von verhinderten Angriffen und aufgehaltenen Gegenoffensiven. Die „Piloten“ dieser Maschinen sitzen daheim in Florida, Texas und Washington, ist ihre Schicht vorbei, gehen sie nach Hause zu Frau und Kind. Davon kann jeder halten, was er will, denn die Moral von der Geschicht‘ ist nicht das Thema dieses Beitrags.

Im Gegensatz zum Luftraum (der natürlich auch noch zum größten Teil von menschlichen Piloten beflogen wird) ist der Boden immer noch fest in menschlicher Hand. Roboter räumen Minen und klären das Gefechtsfeld auf, das war’s auch schon. Kämpfen tun bisher nur Prototypen, und die sind nicht sehr effektiv. Ein amerikanisches Gerät versetzte die eigenen GIs in Angst und Schrecken, als es selbstständig und nicht im Sinne seines Auftrags das montierte Maschinengewehr in Richtung der eigenen Linien drehte. Auch dieses Gerät ist jedoch kein wirklicher Droide, wie man sie aus Star Wars oder anderen Science Fiction Serien kennt, sondern fährt (langsam und holprig) auf Ketten.

Das große Problem aller modernen humanoiden Roboter ist die Balance. Keine Platine kommt bisher an den menschlichen Gleichgewichtssinn heran, kann unvorhergesehene Hindernisse zuverlässig überwinden oder gar nach einem Stoß das Gleichgewicht wieder herstellen. Umso mehr erstaunte mich das Video, das ich vor einiger Zeit auf Youtube fand. Es zeigt eine Art hundeähnlichen Transportroboter, der ähnlich einem Packesel durch unwegsames Gelände stapft und selbst durch einen starken seitlichen Tritt nur kurzzeitig aus dem Gleichgewicht gerät. Aber seht selbst:

Natürlich handelt es sich bei dem Modell um einen Prototypen. Würde man ein paar weitere Jahre investieren, Stärke, Geschwindigkeit und Hardware noch ein wenig verbessern, das Teil leicht panzern und tatsächlich mit einem leichten MG ausstatten … tja, das käme dann einem Kampfdroiden schon ziemlich nahe.

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Über falsche Propheten


Heute befasse ich mich ein wenig mit einem wordpress-„Kollegen“. Dabei werde ich payoli und seinen „paradise your life“-Blog in schlimmster Weise diffamieren und durch den Dreck/Kakao ziehen, aber das ist gut so, denn es ist (meiner Meinung nach) berechtigt.

Aufmerksam wurde ich auf den Genossen, als ich einen Artikel von Assistenzarzt kommentierte, der die hohe Arbeitsbelastung von Ärzten in deutschen Krankenhäusern zum Thema hat. Payoli kommentierte diesen sehr abfällig und beschuldigte die moderne Medizin als solche, Krankheiten zu „erfinden“ und den Menschen eher kränker als gesünder zu machen. Daraus entspann sich eine kleine Diskussion, in der Payoli auch relativ häufig auf seinen eigenen Blog verwies. In diesem Artikel werde ich Payolis System darstellen und versuchen, die Sinnlosigkeit und Gefährlichkeit(!) seiner Ideologie (so nennt er sie selbst) aufzuzeigen.

Hier also mal einige Zitate aus seinem Blog und der Diskussion, dazu meine Sicht der Dinge:

Es ist einfach ein beispielloser Skandal, dass Menschen heute noch immer erkranken müssen.

Lebenslange Dauergesundheit war Jahrmillionen der einzige und selbstverständlichste Zustand und könnte es auch heute noch für jedermensch sein!

Beim ersten der beiden Sätze musste ich lauthals lachen. Wie? Bitte? Krankheiten?! Gehören jawohl sofort verboten! Payolis Grundthese ist, dass Krankheiten von der Evolution nicht vorgesehen sind. Jeder Mensch könne bei entsprechender Ernährung mindestens 120 Jahre alt werden. Dass das so nicht stimmen kann, sagt einem schon die Logik. Wenn der Mensch nicht an Krankheiten stürbe, dann müsste er stets durch äußere Umstände zu Tode kommen, also wahlweise vom Auto überfahren werden, vom Baum fallen oder in Eritrea eine Kugel zwischen die Schulterblätter bekommen. Die Weltbevölkerung würde sprunghaft anwachsen. Evolutionär ist nämlich genau das Gegenteil geplant. Das Ziel (vom Sinn des Lebens wage ich nicht zu sprechen) des Lebens ist die Weitergabe der eigenen Erbinformationen und das Sicherstellen des Fortbestands der eigenen Art. Von vielen Tierarten ist bekannt, dass sie direkt nach dem Geschlechtsakt sterben: bei vielen Spinnenarten wird das (meist kleinere) Männchen vom Weibchen ganz einfach verspeist, Drohnen werden nach dem Hochzeitsflug generell aus dem Bienenstock gejagt und verenden. Wer nicht nach einer gewissen Zeit (die je nach Art auch mal etwas länger sein kann) stirbt, wird automatisch zum Nahrungs- und Territorialkonkurrenten der nächsten Generation.

Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel. Von drei Tierarten wird angenommen, dass sie unsterblich sind. Die Qualle Turritopsis nutricula ist in der Lage sich durch Transdifferenzierung (Umwandlung einer Zellart in eine andere) wieder in einen Polypen (quasi das erste Stadium der Quallenentwicklung) zurück zu entwickeln. Dieser Zyklus kann unendlich oft wiederholt werden, was Turritopsis nutricula biologisch unsterblich macht. Auch gewisse Seegurkenarten und Süßwasserpolypen stehen im Verdacht, nicht zu altern. Natürlich können aber auch all diese Arten durch äußerliche Prozesse getötet werden.

Dass unsere Vorfahren (die mit starkem Haarwuchs, nicht die von vor 100 Jahren) seltener krank waren, will ich nicht bestreiten. Man holte sich weniger Influenza-Viren ab (keine Aufenthalte in geschlossenen, schlecht gelüfteten, überfüllten Räumen) und verbrachte sein Leben nicht auf Bürostühlen (keine Hämorrhoidenleiden). Dass unsere Vorfahren jedoch nie krank waren, ist eine unhaltbare These. Als Beispiel können Viren dienen. Zu ihrer Entstehung gibt es drei verschiedene Theorien, jede von ihnen geht jedoch davon aus, dass es Viren schon lange vor dem Menschen gab. Außerdem leidet man logischerweise an weniger ernsthaften Krankheiten, wenn schon die erste einen mangels Behandlungsmöglichkeiten aus dem Leben schießt.

Wir sind an die verarbeitete Milch wie wir sie kennen und noch weniger an Milchprodukte biologisch, genetisch angepasst, da Milch (von fremden Tierarten) in unserer ganzen Evolutionsgeschichte keine Rolle spielte. […] Milch, vorzugsweise Kuhmilch nutzen wir erst seit unserer Sesshaftwerdung vor einigen Tausend Jahren, was für eine biologische Anpassung aber viel zu kurz ist. Die Laktose- Intoleranz z. B. ist EIN Aspekt dieser Nichtangepasstheit.

Auch diese Aussage ist falsch. Die Fähigkeit, Milchprodukte zu verdauen, hat der Mensch in einem für evolutionäre Vorgänge rasantem Tempo entwickelt. Joachim Burger, Molekularer Anthropologe an

Laktoseintoleranz weltweit

Laktoseintoleranz weltweit

der Universität Mainz, verglich die Gendaten von Skeletten aus der Jung- und Mittelsteinzeit (zwischen 7.800 und 7.200 Jahre alt) mit denen eines Merowingers (etwa 500 n. Chr.). Die Steinzeitler hätten mit der Laktoseverdauung größte Probleme bekommen, der Merowinger machte das mit Links. Während viele genetische Vorgänge hunderttausende oder sogar millionen von Jahren brauchen, passte sich der Mensch in wenigen tausend Jahren an die neue Nahrung an. Heutzutage leiden in Schweden ca. 2% der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz. Im nicht allzu fernen Dänemark sind es schon 5%, in Deutschland 15%, in Süditalien sogar 41%. In Südostasien verträgt so gut wie kein Mensch Laktose, nämlich 98%. Es besteht also keine Notwendigkeit, sich bis in alle Ewigkeit so zu verhalten wie Australopithecus. Einige tausend Jahre reichten durchaus, um sich biologisch an Milchprodukte zu gewöhnen. Wozu ist die Evolution denn gut, wenn man sich nicht mehr entwickeln will? Natürlich will ich den Zusammenhang von Milchprodukten und (teilweise schwerwiegenden) Erkrankungen wie Neurodermithis nicht verschweigen. Dabei handelt es sich allerdings um Ausnahmen. Der Großteil der Deutschen trinkt schließlich gerne und oft Milch, isst Eis und verputzt Käse und Butter.

Die Geburt, die jede ursprünglich lebende Frau ‘im Vorbeigehen’ erledigt …

Soso, im Vorbeigehen. Das funktioniert so vielleicht bei den Menschenaffen, jedoch nicht beim Menschen. Zwei Aspekte sind für die im Vergleich zum Tierreich deutlich größeren Schmerzen einer menschlichen Mutter verantwortlich: die größe des menschlichen Kopfes und der aufrechte Gang. Wir Menschen sind im Verlauf der Evolution (zumindest theoretisch) intelligenter geworden, unser Gehirn ist stark gewachsen und damit auch der ganze Kopf. Dieser muss bei einer normalen Geburt nun als erstes durch die Vagina, die leider nicht im selben Maße größer geworden ist, wie unsere Köpfe. Intelligenz tut weh – Ironie der Geschichte.

Der aufrechte Gang führte dazu, dass die Eingeweide nicht mehr von der Bauchdecke gehalten werden, sondern vom muskulären Beckenboden. Dieser muss bei der Frau also einerseits so straff sein, dass die Organe nicht nach unten rutschen, andererseits muss er ganze 10 cm Kindskopf durchlassen. Dieses Paradoxon bereitet Schmerzen. Im Gegenteil zu Payolis Aussage haben also selbst vor hunderttausend Jahren Geburten nicht schmerzlos stattgefunden, sondern in etwa so wie heute, natürlich ohne medizinische Hilfe.

Guck Dir die zu 98,6% mit uns genetisch identen Primaten an.

Zahlenspielereien – so beeindruckend sie sich in populärwissenschaftlichen Artikeln auch machen – sind in der Genetik fehl am Platz. Klar, die 98,6% stimmen. Jedes Kind erkennt, dass ein Schimpanse dem Menschen in Anatomie und Verhalten ähnelt. Etwas anders sieht die Sache aus, wenn man sich das gemeine Hausschwein ansieht. Vor kurzem wurde eine umfassende vergleichende Analyse

Dem Menschen ähnlich? Genetisch schon.

Dem Menschen ähnlich? Genetisch schon.

komplettiert, die das Schwein mit dem Menschen vergleicht. Ergebnis: die beiden Spezies gleichen sich genetisch gesehen enorm. Leider kam dabei keine schöne Gesamtprozentzahl heraus, aber diese dürfte auch bei über 90% liegen. Trotzdem ist der Mensch dem Schwein weder äußerlich noch kognitiv ähnlich. Das liegt ganz einfach daran, dass die fehlenden Prozente (beim Schimpansen 1,4%) einen himmelweiten Unterschied ausmachen können. Genetische Vorgänge sind hoch komplex und schon das Verändern eines einzigen Faktors kann zu grundverschiedenen Ergebnissen führen.

Aber es gibt mittlerweile soviele Belege und Beispiele von steinalten und topgesunden Rohköstlern, dass ich garantierte 120 werde, da ich neben der Ernährung auch noch andere essentielle Faktoren möglichst naturrichtig ausrichte. […] Die 120 Jahre sind sogar ‘wissenschaftlich wasserdicht’, Beispiele von höchstaltrigen Rohköstlern sind in der Literatur bekannt …

Tja, Rohkost ist nicht annähernd so gesund, wie man uns gern glauben macht. Viele Aspekte dieser Ernährung sind durchaus positiv, wenn man sie in Maßen umsetzt. Andererseits sind so gut wie alle Rohköstler unter- und mangelernährt, sie verlieren mehr Gewicht, als sie eigentlich sollten und sind folglich untergewichtig. Ein konsequenter Rohköstler hat eine deutlich geringere Lebenserwartung als ein sich gesund ernährender Mensch (wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst, Ballaststoffe etc.). Schon der Homo erectus, der vor etwa 1,9 Millionen Jahren zum ersten Mal auftauchte, bereitete seine Speisen über dem Feuer zu. Ein Alter von 120 Jahren erreichen nur die wenigsten Menschen. Leider war Payoli auf Anfrage nicht bereit mir Quellen oder namentliche Beispiele zur Selbstrecherche zu liefern, Zitat:

Leute, die nicht in der Lage sind bei all unseren heutigen (Internet-)Möglichkeiten die Arbeiten zu finden, in denen unsere biologisch angelegte Lebenserwartung von 120 Jahren herausgearbeitet wird, sind nicht meine Klientel.

Grundsätzlich sehe ich das so ähnlich. Leute, die in Foren einfachste Frage stellen und ganz einfach zu faul sind, Google zu nutzen, gehen mir gehörig auf den Senkel. Wo allerdings nichts zu finden ist, da kann auch nichts zu Tage kommen. Wikipedia berichtet von einigen sehr alten Rohköstlern, die allerdings maximal 99 wurden. Nimmt man sich jedoch 100.000 Menschen und vergleicht deren Alter, so werden stets einige die 100er-Marke sprengen. Tut man das selbe bei Rohköstlern, so ist dasselbe zu erwarten, auch wenn diese aufgrund ihrer ungesunden Ernährung eher früher als später sterben. Ebenso existieren zahlreiche Gegenbeispiele von Rohköstlern, die schon mit 59 oder 63 ins Gras bissen. Von teilweise skandalösen Fällen, in denen radikale Rohköstler-Eltern den Mangeltod ihrer Neugeborenen verschuldeten, will ich hier gar nicht erst anfangen. Fairerweise sei erwähnt, dass man sein Kind auch auf andere Weise umbringen kann und die Mehrzahl der Rohköstler sicherlich vorsichtiger ans Elternsein herangeht.

Wie wir sehen sind alle hier aufgelisteten Thesen Payolis entweder eindeutig falsch oder doch sehr zweifelhaft. Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Menschen, die eine gesunde Ernährung propagieren, damit Krankheitsrisiken senken, das Gesundheitssystem entlasten und natürlich auch die Lebensqualität der Menschen verbessern. Wenn aber Ernährungsfanatiker wie Payoli die moderne Medizin als solches ablehnen, von Vorsorgeuntersuchungen abraten und Impfungen verteufeln, dann hat das sehr wohl negative Auswirkungen. Menschen, die sich vertrauensvoll auf solche selbsternannten Propheten berufen und ihren Kindern sinnvolle Schutzimpfungen vorenthalten, müssen dann eventuell damit fertig werden, dass ihr Sprössling an Kinderlähmung oder Polio stirbt. Ein Familienvater erfährt, dass man den metastasierenden Darmkrebs schon viel früher hätte entdecken können, wenn er doch ab und zu mal eine Koloskopie gemacht hätte. Solche Menschen verlassen sich auf scheinbar seriöse Personen, die mit einfachen Phrasen wie „natürlich“, „bio“ etc. pp. ihr Geld verdienen. (was „bio“ ist, kann doch nicht schlecht sein). Denn was natürlich ist, muss noch lange nicht gesund sein. Es bedeutet einfach, dass unsere Vorfahren zu ihrer Nahrung kaum eine Alternative hatten. Wir haben die schon. Pommes, Mayo und Ethanol sind die eher schlechteren Alternativen (in Maßen kann der Nutzen – zu dem auch das Genießen gehört – natürlich den Schaden überwiegen), gekochte Nahrung und ab und zu Fleisch die besseren.

Also liebe Leser: Gebt euren Kindern Bananen und Äpfel mit in die Schule, statt sie mit Kinderbueno vollzustopfen (wer glaubt, das Weiße in Kinderschokolade sei wirklich gesunde Milch, der lebt doch hinterm Mond!), verzichtet öfter mal auf Fleisch (Was hier in Deutschland als vegetarische Kost auf den Tisch kommt, ist NICHT das Maß aller Dinge. Wie es richtig geht, zeigen viele indische und afrikanische Gerichte!), belästigt euren Hausarzt nicht 18 Mal im Jahr (Bundesdurchschnitt) und bewegt euch doch bitte ein bisschen. Sport ist keine Quälerei. Ich würde nie Sport treiben, wenn ich es nicht mögen würde. Man spielt Badminton, weil man das Spiel mag, nicht weil man auf Teufel komm raus abnehmen will. Wenn ihr aber ein echtes Problem habt, dann legt euer Leben in die Hand der modernen Medizin und glaubt bloß nicht, dass Gartenkräuter gegen Metastasen anstinken könnten.

In diesem Sinne schließe ich mit drei weiteren, sehr amüsanten Payoli-Zitaten:

Mich interessiert das Verdienen beim Gesundheitsthema überhaupt nicht!

Deine Gesundheitstipps sind für meinen Job das Problem Nr.1!

Ich halte Vorträge darüber, gebe Seminare und bin am Aufbauen eines Seminar- und Lebens- Zentrums …

Fotos: Rainer ZenzScott Bauer

Nordkorea: Riese aus Pappmaché


1,2 Millionen aktive Soldaten, Militärausgaben in Höhe von 25% des BIP, ein offensichtlich erfolgreiches Nuklearprogramm. Der mit Abstand am weitesten militarisierte Staat der Welt scheint eine echte Bedrohung für die Demokratien Fernasiens zu sein, vor allem für Südkorea. Die DVR Korea ist brandgefährlich … will sie uns glauben machen. Kaum denkt die UN über weitere Sanktionen nach, Japan kündigt an, eine nordkoreanische Rakete über eigenem Staatsgebiet abzuschießen oder Südkorea und die USA halten gemeinsame Manöver ab, schon droht der böse Bruder aus dem Norden mit „Krieg in ganz großem Stil“.

Was jedoch kaum jemand weiß: Nordkorea ist ganz und gar nicht in der Position zu drohen. Die Armee ist zwar riesig, ihr Kampfkraft jedoch winzig und ihre Gegner umso stärker. Obwohl Kim Jong-Il gut die Hälfte seines Volkes von der UN ernähren lässt und der anderen Hälfte in Fernsehen und Radio nahegelegt wird, doch „aus heimischen Gräsern und Moosen eine delikate Suppe zu kochen“, reichen die Ersparnisse bei weitem nicht aus, die Armee auf einen modernen Stand zu bringen. Das meiste Gerät stammt aus den 60er- und 70er-Jahren, der größte Teil dürfte jedoch wegen der internationalen politischen und wirtschaftlichen Situation nicht einsatzbereit sein, da Ersatzteile fehlen.

Obwohl Nordkorea ein Atomwaffenprogramm betreibt und einen erfolgreichen Test durchgeführt hat (der erste schlug fehl), ist fraglich, inwiefern man das Land tatsächlich als Atommacht zählen kann. Die Federation of American Scientists (FAS) gibt die Zahl der nordkoreanischen Kernwaffen mit <10 an, andere Quellen sprechen von maximal 5. Die getestete Bombe hatte zudem eine Sprengkraft, die

Neidisch auf den Süden? - Soldaten Nordkoreas

Neidisch auf den Süden? - Soldaten Nordkoreas

in etwa der von Little Boy entspricht. Diese Bombe hatte eine Sprengkraft von etwa 13 Kilotonnen TNT-Äquivalent und verwüstete am 6. August 1945 Hiroshima. Die Zar-Bombe hatte jedoch schon eine Sprengkraft von ca. 57 Megatonnen, war also etwa 4.400 mal so stark.

Militärausgaben in Höhe von 25% des BIP, das klingt gewaltig. In Zahlen sind das jedoch 5 Milliarden US-$, Deutschlands 1,3% entsprechen 46,3 Milliarden US-$. Der große Konkurrent Südkorea beschäftigt nur 685.ooo Soldaten, investiert jedoch fast 30 Milliarden US-$.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass in einem konventionell symmetrisch geführten Krieg stets der besser ausgerüstete und ausgebildete Gegner den quantitativ überlegenen Gegner bezwingt. Ausnahmen bestätigen die Regel (wer bitte baut seine Festung in einem Tal und lässt sich dann einkesseln?!). Südkorea wird außerdem von den USA unterstützt, die 28.500 Soldaten im Land stationiert haben und im Kriegsfalle sicherlich mehr schicken würden (besteht ja keine Gefahr, von fanatischen Gotteskriegern in einen Guerillakrieg verwickelt zu werden). Nordkorea befindet sich außerdem in Opposition zu Japan (241.000 Mann, 44,7 Milliarden US-$ Militärbudget).

Fazit: ein Krieg könnte Nordkorea nur eins bringen: die Niederlage. Sein Volk kann Kim Jong-Il unterdrücken und demütigen, eine Niederlage in einem selbst angezettelten Krieg würde jedoch zwangsläufig zu seiner Absetzung führen.

Foto: Jeffrey Allen

Whackbatspieler zwecks Teamgründung gesucht


Baseball kann einpacken. Der weltweit zweitbeliebteste Sport wird in Kürze von einer Bewegung hinweggefegt werden, die viel mehr ist, als nur eine kurzlebige Trendsportart. Whackbat, das besonders bei Füchsen, Opposums, Maulwürfen und Kaninchen beliebt ist, erfreut sich auch hierzulande rasant steigender Beliebtheit. „Seit diese fantastische neue Sportart am Horizont auftauchte, laufen uns die Spieler in Scharen davon.“, beschwert sich Bad Batt, Coach der Washington Wombats. „Das Spiel ist einfach deutlich simpler, flüssiger im Verlauf und entbehrt nicht einer gewissen Eleganz. Wer würde schon nach

Kann umschulen: Baseball-Pitcher

Kann umschulen: Baseball-Pitcher

eintönig weißen Lederbällen hechten, wenn es auch brennende Tannenzapfen sein können?!“ Für Whackbat spricht außerdem, dass es quasi überall spielbar ist und kaum Ausrüstung erfordert. Im Gegensatz zu verwöhnten NBL-Stars fangen echte Whackbat-Spieler nämlich nicht sofort an zu flennen, wenn der Rasen nicht im optimalen Grün erstrahlt, sondern geben sich auch mit Prärie oder Salzwüsten zufrieden. Hier zählt nicht der Preis des Equipments, sondern das Können und die Fähigkeiten der individuellen Spieler. Tannenzapfen liegen überall herum, Streichhölzer findet man bei den Zuschauern (echte Sportler meiden Glimmstängel wie der Teufel das Weihwasser) und der Rest ist innerhalb von Minuten selbst gezimmert.

Die Regeln sind denkbar einfach:

Whackbat is real simple. There’s 3 grabbers, 3 taggers, 5 twig runners and the player at whackbat. Centre tagger lights a pinecone and chucks it over the basket and whackbatter tries to hit the cedar stick off the cross rock. Quick runners dash back and forth until the pinecone burns out and the umpire called hotbox. Finally, in the end you count up how many score-downs it adds up to and divide that by nine. Got it?

Wer´s immernoch nicht verstanden hat, findet hier das Grundlegendste visuell aufbereitet (im Sachzusammenhang interessant sind 1:36 – 1:54):

Nun zum Anliegen: zwecks Teamgründung werden gesucht: 3 grabbers, 3 taggers, 5 twig runners und der Schläger am Whakbat (im Baseball auch batter genannt). Außerdem ein Coach, Teamärzte, Manager, Platzwart und 5 bis 6 Ersatzspieler. Macht dann 20 bis 25 Leute. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, drei bis vier Jahre täglichen Trainings sollten zumindest die Grundlagen relativ sicher vermitteln. Meldungen und Positionswünsche bitte als Kommentar unter diese Annonce.

Hier gibt´s weitere Informationen Ein kleiner Eindruck vom Spielablauf

Foto: Keith Allison

Das geht zu weit: moderne Werbung


Bitte? Spam? Das kannte ich bisher ehrlich gesagt nicht, denn der Spamschutz von GMX scheint doch ziemlich gut zu funktionieren. Aber auch wenn Spam Werbung der übelsten Sorte ist, um diese Form geht es heute nicht. Ich setze also ein Häkchen vor die Mail, schicke sie in den Papierkorb, lese die mehr oder weniger wichtigen und logge mich aus. Ich minimiere Safari, wechsle zu iTunes und starte die momentan favorisierte Musik. „Mother We Just Can´t Get Enough“ tönt aus der Anlage, zumindest einige Sekunden lang. Dann geht das Ganze in einer  gewaltigen, dröhnenden Kakophonie unter. Was zum …? Ich hetze die Maus auf den „Pause“-Button. Der Song unterbricht, der Lärm bleibt. Ich öffne also Safari und vor mir steht der Übeltäter: die Logout-Seite von GMX und ein Werbespot.

In früheren Zeiten (ach war das schön damals, und natürlich sowieso viel besser) war die Werbung des Internets statisch. Die gesamte Werbebotschaft war in einem rechteckigen Feld untergebracht, konnte gelesen oder ignoriert werden. Dann fingen die kleinen Dinger auf einmal an nervig zu blinken, vor allem wenn man als 1.000.000 Besucher der Seite einen BMW erhalten sollte (welcher vernunftbegabte Mensch fällt noch auf so etwas herein?!). Nervte beim Lesen, ließ sich aber irgendwie auch ignorieren.

Irgendwann dachten sich die Schmalzköpfe aus den Marketingabteilungen jedoch ‚Was im Fernsehen funktioniert, das klappt sicher auch im Internet!‘ und spielten von nun an Werbespots ein. Menschen unterhalten sich im Aufzug über Unternehmensstrategien und Hausfrauen präsentieren einem in übelst schlecht snychronisierter Form wie der Fleck ganz schnell vanisht. Glücklicherweise bleibt das ganze visuell: der Ton ist abgestellt, nur die fünf, sechs Menschen, die sich weltweit für diese Form des Marketings interessieren, schalten den Ton dann über ein kleines Symbol ein. Nunja, es blieb

Hoffentlich kein Prototyp: Der Times Square in Manhattan

Hoffentlich kein Prototyp: Der Times Square in Manhattan

visuell, denn der Wandel ist da. Die unerträgliche Lärmbelästigung rührte in meinem Falle tatsächlich von dem Spot her: irgendein Geistesgestörter hüpfte aus einem Flugzeug. Was bitte soll der Quatsch? Das Prinzip der Werbung ist, dass sie Menschen angeboten wird, nicht aufgezwungen. Man versucht möglichst viele Menschen zu erreichen, zu überzeugen, aber das Angebot ist immernoch freiwillig. Wenn ich eine Website aufrufe, dann wegen ihrer Inhalte, mit denen ich mich auseinandersetzen will. Die Werbung kann ich ignorieren. Wenn aber meine Hintergrundmusik, also Prozesse, die mit dem Internet nichts zu tun haben, von Werbung unterbrochen wird, dann ist das quasi ein Eingriff in meinen Arbeitsrythmus!

Zweites Beispiel: ProSieben, irgendeine Serie (war wahrscheinlich Bones). Dramatischer Moment, dann wird weggeblendet. Das Versprechen: Nach einem Spot geht´s weiter. Der Spot läuft im verkleinerten Fenster, am unteren Rand füllt sich eine dieser Leisten, die wir von Computerinstallationen kennen, nur gleichmäßiger (bei anderen Sendern wird einfach die Zeit in Sekunden runtergezählt). Erste Dreistigkeit: Die Leiste stößt ans Ende und der Spot geht noch mindestens 5 Sekunden weiter! Klar, die Leute gucken ja eh weiter und man kann die Zeit schön ausdehnen. Zweite und eigentliche Dreistigkeit: es beginnt die Werbepause! Nichts geht also weiter; dem Zuschauer wird versprochen, dass die geliebte Serie nur für einige Sekunden unterbrochen wird. Käme direkt die ellenlange (bei ProSieben mittlerweile ganze 10 Minuten) Werbepause, spränge der routinierte Zuschauer sofort auf,  erledigte biologisch nötige Geschäfte, trieb Nachschub an Brauereiprodukten etc. auf und bekäme damit von der teuer bezahlten Werbung nichts mit. So kann man ihm zumindest einen Spot aufdrücken.

Schon seit längerem frage ich mich, wo diese Entwicklung hinführt. Werden irgendwann alle Sender die VIVA- und MTV-Masche übernehmen, 2/3 des Bildes mit Werbebanderolen zukleistern und in 1/3 das Wesentliche zeigen? Ich zumindest hoffe auf das Gegenteil. Versteht mich nicht falsch: ich mag Werbung … wenn sie kreativ ist, und damit meine ich entweder überzeugend, innovativ oder witzig (wobei ich Letzteres bevorzuge). Hier mal eine Liste von Werbefilmchen, die (meiner Ansicht nach) witzig sind:

Samsungs Analyse der alten Meister

Feuerwehraktion (beworbenes Produkt leider unklar)

Statt irgendwelche Leute ihre riiieeesige Freude über das Produkt ausdrücken zu lassen, zeigt Peugeot Menschen, die sich einfach anders helfen:

Peugeot Werbung

Bei Edeka lieben scheinbar nicht nur die Kunden das Produkt:

Edeka Werbung

Burger King nimmt den Konkurrenten auf den Arm – der fand das eigenartigerweise nicht so lustig und verbot den Spot. Spaßbremse!

Canal + (Französischer Fernsehsender)

Maggi zeigt neue Formen innerfamiliärer Kommunikation

P.S. Wer mit dem Feuerfuchs unterwegs ist und nicht auf Werbung steht: Das Plugin AddArt ersetzt Werbebanner durch zeitgenössische Kunst!

Foto: Wikipedia

Mehr Moneten für Minister!


Wie ZEIT Online heute meldet denkt die Bundesregierung an eine Erhöhung ihrer Bezüge. Logisch, dass es da wieder Kritik von allen Seiten hagelt. Die Grünen sind dagegen und auch der Bund der Steuerzahler meldet in Anbetracht der prekären Finanzsituation Bedenken an. Kommentatoren auf ZEIT Online raten der Regierung demzufolge sogar, doch mal Hartz IV zu leben oder sich nach Leistung bezahlen zu lassen (prognostiziert wird eine lebenslange Verschuldung). Also breche ich hier mal eine Lanze für die Damen und Herren und sage: RICHTIG SO! Mehr Geld für Merkel & Co!

Mehr Geld für Parlamentarier und Minister, aber flott!

Der Unternehmensberatung Hay-Group zufolge verdient Angela Merkel insgesamt (Gehalt als Kanzlerin + Abgeordnetendiäten etc.) ganze 261.500€. Da schifft sich jeder Manager vor Lachen in die Hose. Josef Ackermann verdiente 2007 14 Millionen und damit mehr als 53 mal(!) so viel. Zum Vergleich: Ackermann leitet ein (zugegebenermaßen großes) Unternehmen, Merkel hat die mit Abstand

Verdient bald mehr: Angela Merkel

Verdient bald mehr: Angela Merkel

verantwortungsvollste Position im Staat inne, ihre Entscheidungen beeinflussen direkt 82 Millionen Menschen (indirekt noch deutlich mehr). Natürlich jagt sie damit nicht am Hungertuch, aber viel verdient sie nicht.

Wenn sich der Werksarbeiter bei Opel wieder einmal über „die da oben“ beschwert, die sich ganz dreist eigenmächtig die Diäten erhöhen, dann sollte man vielleicht mal ein bisschen genauer hinsehen. Der Herr bei Opel oder sonstwo arbeitet von 8.00 Uhr morgens bis Mittag, macht dann sein Stündchen Pause und zieht dann den Rest bis 17.00 Uhr durch. Er hat dann 8 Stunden gearbeitet, von Montag bis Freitag ergibt das die (gegen heftigste Proteste durchgesetzte) 40-Stundenwoche. Merkel (und andere Spitzenpolitiker) tun das nicht. Die stehen morgens ein bisschen früher auf, machen keine Mittagspause, hetzen von Termin zu Termin und arbeiten in der Woche ihre 70 – 80 Stunden. Dass sie Samstags nicht im Feinripp vor dem Fernseher sitzen und Sportschau oder Sky gucken, braucht wohl nicht erwähnt werden. Natürlich sind auch dafür gut 260.000€ Gehalt ziemlich saftig, aber weiterhin ist zu bedenken, dass diese Gehaltserhöhung die erste seit 8 Jahren ist. Mit 334€ mehr im Monat (gut 2,1%) ist sie noch nicht einmal eine große. Zur Erinnerung: Selbst für ihre Dienstwohnung im Kanzleramt müsste Merkel Miete zahlen, wenn sie sie denn nützen würde.

Politiker werden im Vergleich zu Managern (unabhängig von ihrer Politik und ihren Leistungen) geradezu lächerlich bezahlt. Das eigentliche Ziel muss es doch sein, die besten und klügsten Köpfe des Landes für dessen Führung zu gewinnen. Da kommt man also gerade von der Universität, hat seinen Doktor mit „summa cum laude“ in der Tasche, politisches Interesse und lauter Ideen im Kopf, wie man das Land voranbringen kann. So einfach wie man dachte ist das dann aber doch nicht: mühsam hat man sich in den Parteien hoch zu arbeiten, durch einen Dschungel von falschen Freunden und Versprechungen. Man beginnt mit der Wirtschaft zu liebäugeln und wenn dann auch noch die Gehälter vier Mal so hoch sind, was hält einen dann noch in der Politik?

Natürlich ist die Staatskasse kein Selbstbedienungsladen für raffgierige Politzombies, aber Gehalt, Arbeitsaufwand und Verantwortung müssen sich schon die Waage halten.

Foto: Wikipedia

Burka, Tschador, Hijab, Niqab, Chimar …


Es ist soweit: das belgische Abgeordnetenhaus hat ein weitreichendes Burkaverbot

Frau in Burka

Frau in Burka

erlassen, die Zustimmung des Senats steht noch aus. Das Tragen des Ganzkörperschleiers ist damit nicht nur in öffentlichen Gebäuden, sondern in der Öffentlichkeit insgesamt verboten. Das bedeutet, dass eine voll verschleierte Frau die Straße bei Androhung einer Geldstrafe oder einer 7-tägigen Haft nicht mehr betreten darf. Die Intention ist klar: die Burka soll aus dem öffentlichen Leben verschwinden.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Ist das sinnvoll? Was wiegt schwerer, die Freiheit von Religion und Gewissen oder das Recht der Frau auf Selbstbestimmung? Um diese Fragen zu beantworten bedarf es zumindest rudimentärer Vorkenntnisse. Also habe ich ein wenig im Internet gestöbert und meine Koranübersetzung von Reclam ausgegraben.

Die Frage ob und in welchem Maße eine gläubige Muslima sich verschleiern sollte und muss beschäftigt islamische Rechtsgelehrte seit langem. Der Koran, für die Muslime das unbedingt zu befolgende Wort Gottes, äußert sich zwar zum Thema, bleibt aber wage.

Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham hüten und dass sie nicht ihre Reize zur Schau tragen, es sei denn, was außen ist, und dass sie ihren Schleier über ihre Busen schlagen und ihre Reize nur ihren Ehegatten zeigen oder ihren Vätern oder den Vätern ihrer Ehegatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Ehegatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder den Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die ihre Rechte besitzt, oder ihren Dienern, die keinen Trieb haben, oder Kindern, welche die Blöße der Frauen nicht beachten. Und sie sollen nicht ihre Füße zusammenschlagen, damit nicht ihre verborgene Zierat bekannt wird. Und bekehret euch zu Allah allzumal, o ihr Gläubigen; vielleicht ergeht es euch wohl.

Sure 24, Vers 31

Von Ganzkörperverschleierung ist hier nicht die Rede. Der Schleier hat das Dekolleté zu verdecken und ihre „Reize“ sollen die Frauen nur ihren Ehegatten zeigen. Es scheint hier also lediglich darum zu gehen, sich ziemlich zu kleiden und nicht mit einem unter Umständen vorteilhaften Körperbau zu prahlen. Alle Arten von Verwandten, Schwagern etc. sind davon ausgeschlossen, außerdem Diener ohne Triebe (welcher Diener ist denn ohne Triebe?) und Kinder, da diese mit den Reizen nichts anzufangen wissen.

O Prophet, sprich zu deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Weibern der Gläubigen, dass sie sich in ihren Überwurf verhüllen. So werden sie eher erkannt und werden nicht verletzt. Und Allah ist verzeihend und barmherzig.

Sure 33, Vers 59

Hier wird´s dann also konkreter. Die Frauen haben sich in ihren Überwurf zu verhüllen, damit sie [als ehrbare Frauen und Gläubige] erkannt werden. Dies soll vor Belästigungen schützen.

Je nachdem, wie man diese Suren (und einige weitere Quellen aus der Gründerzeit des Islam) auslegt, kommt dabei eine eher lockere (Kopftuch) oder extrem strenge (Burka) Haltung heraus. Doch auch dazwischen existiert noch etwas. Die Burka ist nur die strengste Interpretation dieser religiösen Kleidervorschrift, sie wird hauptsächlich in Afghanistan

Tschador + Niquab

Tschador + Niquab

und Pakistan getragen. In Saudi-Arabien und dem Jemen ist jedoch der/die/das Hijab in Verbindung mit dem Niqab für Frauen Pflicht. Ersteres ist ein langes Gewand, Letzteres ein Tuch, das große Teile des Gesichts verhüllt. Während das Gesicht der Trägerin einer Burka durch ein Netz vor neugierigen Blicken „geschützt“ ist, bleibt beim Niqab ein mehr oder weniger breiter Schlitz offen. Die Augenpartie ist also gänzlich sichtbar.

Eine weitere Form ist der Tschador. Er ist im Iran Pflicht und lässt das Gesicht gänzlich frei. Die legerste und auch bei Muslimat in Deutschland häufigste Form ist das Chimar, das einfache Kopftuch.

Nun stellt sich also die Frage, was Mohammed resp. Allah seinen Gläubigen vorschreibt. Anders als die katholische Kirche kennt der Islam seit langem kein Oberhaupt mehr, das in solchen Fragen richten könnte. Muftis (islamische Rechtsgelehrte) könne zwar Fatwas (Gutachten) erstellen, aber diese sind für keinen Muslim bindend. Einzig und alleine bindend ist der Koran, das Wort Gottes. Und dort heißt es:

Es sei kein Zwang im Glauben. Klar ist nunmehr unterschieden das Recht vom Irrtum; und wer den ṭāġūt verleugnet und an Allah glaubt, der hält sich an der stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend.

Sure 2, Vers 257

Tja, das klingt für meine Ohren etwas verwirrend. Es sei kein Zwang im Glaube, aber Recht und Unrecht stehen fest, und wer sich nicht dran hält, der landet (wie an anderer Stelle vermerkt) im Höllenpfuhl. Ist vielleicht kein unbedingter Zwang, aber doch klare Erpressung.

Was folgern wir daraus? Kein Mann kann seine Frau dazu zwingen, Burka, Tschador oder Niqab zu tragen, aber der Glaube schreibt es ihr vor. Ebenso schreibt er ihr vor, dem Mann zu gehorchen, womit sie dann doch wieder gezwungen werden könnte.

Um auf die Frage der Sinnhaftigkeit eines Burkaverbotes in einem westlichen Land zurückzukommen: solange die Frau ihre Burka freiwillig trägt, weil sie im Koran das Gebot dazu sieht, fällt dies unter die Religionsfreiheit. Hält die Frau allerdings ein Kopftuch für ausreichend, der Mann jedoch schreibt ihr die Burka vor, so fällt das für mich eindeutig unter patriarchalischen Zwang. Beugt sich die Frau dem Gebot ihres Mannes, ohne dass der dazu irgendwie handgreiflich werden muss o.a., so kann man dagegen juristisch wohl kaum vorgehen. Moralisch ist dies jedoch nicht akzeptabel.

Des Weiteren existiert in den meisten europäischen Ländern ein Vermummungsverbot. Was für den schwarzen Block gilt, sollte also auch für Muslime selbstverständlich sein (versteht mich nicht falsch, ich stelle hier nicht Muslime und radikale Prügelknaben auf eine Stufe). Mit einem Urteil tut man sich also schwer, denn wer weiß schon, wie viele Frauen die Burka aus Überzeugung tragen und wie viele dazu gezwungen werden. Durch ein gänzliches Verbot erreicht man also zweierlei: Die Gruppe derer, die die Burka unter Zang anlegen, werden von dieser Art der Unterdrückung befreit. Fragt sich nur, ob ihre Männer sie nun überhaupt noch vor die Türe lassen. Könnte ja jemand ihren Reizen verfallen. Muslimat, die die Burka jedoch aus eigener Überzeugung tragen, können sich nun kaum noch vor die Türe wagen.

Ich persönlich schätze, dass die Gruppe der gezwungenen Frauen deutlich größer ist, als die der Freiwilligen. Insofern wäre das Verbot zu begrüßen.

Foto oben: Steve Evans Foto Mitte: Steve Evans