Zwei Jahre später …


Fast zwei Jahre nach meinem letzten Artikel bin ich in einem längst stillgelegten Mailaccount auf Nachrichten gestoßen, die mich über neue (oder teilweise auch nicht mehr ganz so neue) Kommentare in diesem fast vergessenen Blog aufmerksam machten. Irgendwie eigenartig zu sehen, dass meine doch nicht allzu weltbewegenden Artikelchen zu Gedankengängen und Meinungen mittlerweile über 25.000 Aufrufe zu verzeichnen haben. Am 1. März 2012, eineinhalb Jahre nach der Stilllegung verirrten sich doch tatsächlich 1.424 Aufrufe – da davon aber 1.381 auf meine Kritik an Christine Neubauer entfielen, kann ich mir nicht vorstellen, dass das mit rechten Dingen zuging … Im Schnitt wird Platonisch 40 bis 50 mal am Tag aufgerufen.

Wie auch immer, Punkt dieser Meldung ist: dieser Blog ist tot. Wer auf neues Material wartet (Überhaupt irgendjemand? Ja? Nein? Halloooo?! Gut.), den muss ich daher enttäuschen.

In diesem Sinne: Vielen Dank für’s Lesen, viel Spaß noch und auf Wiedersehen …

P.S. Besagte Kommentare wurden mittlerweile natürlich freigeschaltet 😉

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Eurovision Song Contest 2010 – Wie immer sinnlos, aber lustig


Es war wieder so weit – der größte und gleichzeitig qualitativ schlechteste internationale Musikwettbewerb hat 125 Millionen Zuschauern Musiker vor Augen geführt, die man eigentlich gar nicht sehen wollte. Und doch lief es dieses Mal irgendwie anders. Hatte man bisher eigentlich nur aufgrund des Fremdschäm- („Guckste mal Heinrich, da singt jemand noch schlechter als du!“) und Belustigungsfaktors eingeschaltet, so bestanden dieses Jahr tatsächlich Chancen für einen deutschen Sieg. Auch wenn die Kandidatin tanzt wie ein betrunkener Schimpanse und den Ruf des British English beinahe ruinierte, gewann diesmal ein qualitativ hochwertiger Beitrag. Irgendwie war es doch toll: ich war stolz auf die deutschen Massen bei der interaktiven Musiknummer, habe mir beim Anblick des serbischen Hermaphroditen fast in die Hose geschifft und dachte bei seinem Gesang an ein Dr. Cox Zitat („Oh Gott! Ich muss mich zur gleichen Zeit übergeben, und weinen. Ich … muss mich überweinen!„), fand das Zusammenspiel zwischen Lena und ihren Backgroundsängerinnen miserabel und amüsierte mich über die regelmäßigen Meldungen meines Vaters (Kommentar beim serbischen Auftritt: „Warum fängt der an zu wiehern?!„).

Operation dringendst empfohlen: Milan Stanković

Operation dringendst empfohlen: Milan Stanković

Wie immer tauschten die Osteuropäer ihre Stimmen untereinander, wie mein Bruder seine Panini-Bilder, in Nordeuropa tat man es ihnen gleich. Bis auf wenige Ausnahmen hatte allerdings jeder noch etwas für Deutschland übrig. Okay, „etwas“ ist vielleicht ein bisschen untertrieben. Russlands grandiose Publicity konnte den eigenen Beitrag nicht über die 100 Punkte Marke hieven: Die Invasion in Georgien beeindruckte die Bürger des Landes ebensowenig, wie die Drohung an sämtliche Nachbarn, bei einem schlechten Abschneiden die Gaslieferungen einzustellen. Griechenland erwies sich als ziemlich undankbar und vergalt deutsche Milliarden mit mageren 2 Punkten. Polen hingegen zeigte sich über das Fluten westlicher Hochwassergebiete sehr erfreut, nahm die subtil plazierten Panzerbrigaden an der brandenburgischen Grenze zur Kenntnis und revanchierte sich mit grandiosen 7 Punkten. Weißrussland, Europas letzte echte Diktatur, setzte die Annäherung an Mütterchen Russland fort, Israel zeigte sich von deutschen Bestechungsversuchen in Form vergünstigter U-Boote jedoch unbeeindruckt und setzt das seit 65 Jahren anhaltende Dauerschmollen fort. England schließlich rächte sich für die deutsche Schmutzkampagne gegen die nobelste Sprache der Welt, das britische (!) Englisch („kAnt“, nicht „kännt“!), und gönnte der neunzehnjährigen Hannoveranerin mit dem Akzent eines Bauern aus dem australischen Outback nur 4 Punkte.

Nun freuen wir uns also auf die morgige BILD („Wir sind Eurovision Song Contest!“), beobachten die ausländischen Charts und erwarten den grandiosen Empfang in Hannover. Das einzige, was Lena nun noch fehlt, ist die erste Biographie. Wird aber auch Zeit, sie ist ja schon 19!

Foto: Wikipedia

Sylt oder Namibia – Hauptsache talentlos


Der erste Eintrag und statt mich erst einmal voller Demut vorzustellen, stelle ich etwas ganz anderes: Forderungen. Keine erpresserischen (obwohl die Angelegenheit es durchaus zuließe), sondern dringende, beinahe flehende. Adressat ist die/der G.R.A.F. (Golden Raspberry Award Foundation). Seit 1981 verleiht diese edle Bruderschaft den Negativpreis „Goldene Himbeere“ in Form der golden lackierten Frucht auf einer Super-8 Filmrolle (Materialwert so um die 5 US-$) und lehrt talentierte Jungstars wie Paris Hilton das Fürchten.

Christine Neubauer

Christine Neubauer

Diesem Preis haftet allerdings ein Makel an: er wird offensichtlich nur an amerikanische Staatsbürger resp. Produktionen verliehen (zumindest ist mir noch kein Gegenbeispiel untergekommen). Daher fordere ich: Goldene Himbeere auch an Deutsche!

Einige Leser (Moment, hat dieser Blog überhaupt Leser?!) mögen sich nun fragen, warum ich meinen Landsleuten so übel will. Will ich gar nicht, zumindest nicht im Allgemeinen. Auslöser für diesen Aufruf ist einzig und alleine eine Person. Eine Person, die mich in mittlerem bis starkem Maße am Produktionsstandort Deutschland zweifeln lässt. Eine Person, die Deutschlands Energieproblem lösen und uns von allen Gefahren der Kernenergie befreien wird, weil Fritz Langs Leichnam im Grab eine Rotationsenergie > 500 GW erzeugt. Hier also meine ganz persönliche Laudatio:

Die Person, die wir heute mit diesem edlen Stück Obst aus der Gattung Rubus (Untergattung Idaeobatus) ehren, hat sich diesen Preis durch beharrliche und ausdauernde Arbeit redlich verdient. All ihre Leistungen aufzuzählen würde den Rahmen wohl sprengen. Legendär ist ihre Kunst im Umgang mit tödlichen Schlangen in „Meine Heimat Afrika“ (im Gegensatz zum lebensrettenden Irrglauben fasst man Schlangen natürlich nicht knapp hinter dem Kopf, damit sie nicht zuschnappen können, sondern genau in der Mitte; schon aus Dankbarkeit verzichtet das Reptil dann auf den letalen Biss), ihre schauspielerische Leistung in „Ein Sommer auf Sylt“ ist schon am Abend der Ausstrahlung (heute, wie kommt´s?) in aller Munde. Unvergessen ist auch ihre messianische Leistung im erstgenannten cineastischen Meisterwerk: dem stummen afrikanischen Waisenkind entlockt sie gekonnt die ersten Worte seit langem und es spricht … Deutsch! Akzentfrei! Tun übrigens scheinbar alle Einwohner Namibias (da soll mal einer behaupten, Besatzungstruppen seien zu keinen nachhaltigen Maßnahmen fähig; am deutschen Wesen … lassen wir das). Die goldene Himbeere 2011 – 2053 geht aaan … Christine Neubauer, das Schwarze Loch am Himmel der Öffentlich-Rechtlichen.

Foto: Manfred Werner