Über falsche Propheten


Heute befasse ich mich ein wenig mit einem wordpress-„Kollegen“. Dabei werde ich payoli und seinen „paradise your life“-Blog in schlimmster Weise diffamieren und durch den Dreck/Kakao ziehen, aber das ist gut so, denn es ist (meiner Meinung nach) berechtigt.

Aufmerksam wurde ich auf den Genossen, als ich einen Artikel von Assistenzarzt kommentierte, der die hohe Arbeitsbelastung von Ärzten in deutschen Krankenhäusern zum Thema hat. Payoli kommentierte diesen sehr abfällig und beschuldigte die moderne Medizin als solche, Krankheiten zu „erfinden“ und den Menschen eher kränker als gesünder zu machen. Daraus entspann sich eine kleine Diskussion, in der Payoli auch relativ häufig auf seinen eigenen Blog verwies. In diesem Artikel werde ich Payolis System darstellen und versuchen, die Sinnlosigkeit und Gefährlichkeit(!) seiner Ideologie (so nennt er sie selbst) aufzuzeigen.

Hier also mal einige Zitate aus seinem Blog und der Diskussion, dazu meine Sicht der Dinge:

Es ist einfach ein beispielloser Skandal, dass Menschen heute noch immer erkranken müssen.

Lebenslange Dauergesundheit war Jahrmillionen der einzige und selbstverständlichste Zustand und könnte es auch heute noch für jedermensch sein!

Beim ersten der beiden Sätze musste ich lauthals lachen. Wie? Bitte? Krankheiten?! Gehören jawohl sofort verboten! Payolis Grundthese ist, dass Krankheiten von der Evolution nicht vorgesehen sind. Jeder Mensch könne bei entsprechender Ernährung mindestens 120 Jahre alt werden. Dass das so nicht stimmen kann, sagt einem schon die Logik. Wenn der Mensch nicht an Krankheiten stürbe, dann müsste er stets durch äußere Umstände zu Tode kommen, also wahlweise vom Auto überfahren werden, vom Baum fallen oder in Eritrea eine Kugel zwischen die Schulterblätter bekommen. Die Weltbevölkerung würde sprunghaft anwachsen. Evolutionär ist nämlich genau das Gegenteil geplant. Das Ziel (vom Sinn des Lebens wage ich nicht zu sprechen) des Lebens ist die Weitergabe der eigenen Erbinformationen und das Sicherstellen des Fortbestands der eigenen Art. Von vielen Tierarten ist bekannt, dass sie direkt nach dem Geschlechtsakt sterben: bei vielen Spinnenarten wird das (meist kleinere) Männchen vom Weibchen ganz einfach verspeist, Drohnen werden nach dem Hochzeitsflug generell aus dem Bienenstock gejagt und verenden. Wer nicht nach einer gewissen Zeit (die je nach Art auch mal etwas länger sein kann) stirbt, wird automatisch zum Nahrungs- und Territorialkonkurrenten der nächsten Generation.

Ausnahmen bestätigen auch in diesem Fall die Regel. Von drei Tierarten wird angenommen, dass sie unsterblich sind. Die Qualle Turritopsis nutricula ist in der Lage sich durch Transdifferenzierung (Umwandlung einer Zellart in eine andere) wieder in einen Polypen (quasi das erste Stadium der Quallenentwicklung) zurück zu entwickeln. Dieser Zyklus kann unendlich oft wiederholt werden, was Turritopsis nutricula biologisch unsterblich macht. Auch gewisse Seegurkenarten und Süßwasserpolypen stehen im Verdacht, nicht zu altern. Natürlich können aber auch all diese Arten durch äußerliche Prozesse getötet werden.

Dass unsere Vorfahren (die mit starkem Haarwuchs, nicht die von vor 100 Jahren) seltener krank waren, will ich nicht bestreiten. Man holte sich weniger Influenza-Viren ab (keine Aufenthalte in geschlossenen, schlecht gelüfteten, überfüllten Räumen) und verbrachte sein Leben nicht auf Bürostühlen (keine Hämorrhoidenleiden). Dass unsere Vorfahren jedoch nie krank waren, ist eine unhaltbare These. Als Beispiel können Viren dienen. Zu ihrer Entstehung gibt es drei verschiedene Theorien, jede von ihnen geht jedoch davon aus, dass es Viren schon lange vor dem Menschen gab. Außerdem leidet man logischerweise an weniger ernsthaften Krankheiten, wenn schon die erste einen mangels Behandlungsmöglichkeiten aus dem Leben schießt.

Wir sind an die verarbeitete Milch wie wir sie kennen und noch weniger an Milchprodukte biologisch, genetisch angepasst, da Milch (von fremden Tierarten) in unserer ganzen Evolutionsgeschichte keine Rolle spielte. […] Milch, vorzugsweise Kuhmilch nutzen wir erst seit unserer Sesshaftwerdung vor einigen Tausend Jahren, was für eine biologische Anpassung aber viel zu kurz ist. Die Laktose- Intoleranz z. B. ist EIN Aspekt dieser Nichtangepasstheit.

Auch diese Aussage ist falsch. Die Fähigkeit, Milchprodukte zu verdauen, hat der Mensch in einem für evolutionäre Vorgänge rasantem Tempo entwickelt. Joachim Burger, Molekularer Anthropologe an

Laktoseintoleranz weltweit

Laktoseintoleranz weltweit

der Universität Mainz, verglich die Gendaten von Skeletten aus der Jung- und Mittelsteinzeit (zwischen 7.800 und 7.200 Jahre alt) mit denen eines Merowingers (etwa 500 n. Chr.). Die Steinzeitler hätten mit der Laktoseverdauung größte Probleme bekommen, der Merowinger machte das mit Links. Während viele genetische Vorgänge hunderttausende oder sogar millionen von Jahren brauchen, passte sich der Mensch in wenigen tausend Jahren an die neue Nahrung an. Heutzutage leiden in Schweden ca. 2% der Bevölkerung an einer Laktoseintoleranz. Im nicht allzu fernen Dänemark sind es schon 5%, in Deutschland 15%, in Süditalien sogar 41%. In Südostasien verträgt so gut wie kein Mensch Laktose, nämlich 98%. Es besteht also keine Notwendigkeit, sich bis in alle Ewigkeit so zu verhalten wie Australopithecus. Einige tausend Jahre reichten durchaus, um sich biologisch an Milchprodukte zu gewöhnen. Wozu ist die Evolution denn gut, wenn man sich nicht mehr entwickeln will? Natürlich will ich den Zusammenhang von Milchprodukten und (teilweise schwerwiegenden) Erkrankungen wie Neurodermithis nicht verschweigen. Dabei handelt es sich allerdings um Ausnahmen. Der Großteil der Deutschen trinkt schließlich gerne und oft Milch, isst Eis und verputzt Käse und Butter.

Die Geburt, die jede ursprünglich lebende Frau ‘im Vorbeigehen’ erledigt …

Soso, im Vorbeigehen. Das funktioniert so vielleicht bei den Menschenaffen, jedoch nicht beim Menschen. Zwei Aspekte sind für die im Vergleich zum Tierreich deutlich größeren Schmerzen einer menschlichen Mutter verantwortlich: die größe des menschlichen Kopfes und der aufrechte Gang. Wir Menschen sind im Verlauf der Evolution (zumindest theoretisch) intelligenter geworden, unser Gehirn ist stark gewachsen und damit auch der ganze Kopf. Dieser muss bei einer normalen Geburt nun als erstes durch die Vagina, die leider nicht im selben Maße größer geworden ist, wie unsere Köpfe. Intelligenz tut weh – Ironie der Geschichte.

Der aufrechte Gang führte dazu, dass die Eingeweide nicht mehr von der Bauchdecke gehalten werden, sondern vom muskulären Beckenboden. Dieser muss bei der Frau also einerseits so straff sein, dass die Organe nicht nach unten rutschen, andererseits muss er ganze 10 cm Kindskopf durchlassen. Dieses Paradoxon bereitet Schmerzen. Im Gegenteil zu Payolis Aussage haben also selbst vor hunderttausend Jahren Geburten nicht schmerzlos stattgefunden, sondern in etwa so wie heute, natürlich ohne medizinische Hilfe.

Guck Dir die zu 98,6% mit uns genetisch identen Primaten an.

Zahlenspielereien – so beeindruckend sie sich in populärwissenschaftlichen Artikeln auch machen – sind in der Genetik fehl am Platz. Klar, die 98,6% stimmen. Jedes Kind erkennt, dass ein Schimpanse dem Menschen in Anatomie und Verhalten ähnelt. Etwas anders sieht die Sache aus, wenn man sich das gemeine Hausschwein ansieht. Vor kurzem wurde eine umfassende vergleichende Analyse

Dem Menschen ähnlich? Genetisch schon.

Dem Menschen ähnlich? Genetisch schon.

komplettiert, die das Schwein mit dem Menschen vergleicht. Ergebnis: die beiden Spezies gleichen sich genetisch gesehen enorm. Leider kam dabei keine schöne Gesamtprozentzahl heraus, aber diese dürfte auch bei über 90% liegen. Trotzdem ist der Mensch dem Schwein weder äußerlich noch kognitiv ähnlich. Das liegt ganz einfach daran, dass die fehlenden Prozente (beim Schimpansen 1,4%) einen himmelweiten Unterschied ausmachen können. Genetische Vorgänge sind hoch komplex und schon das Verändern eines einzigen Faktors kann zu grundverschiedenen Ergebnissen führen.

Aber es gibt mittlerweile soviele Belege und Beispiele von steinalten und topgesunden Rohköstlern, dass ich garantierte 120 werde, da ich neben der Ernährung auch noch andere essentielle Faktoren möglichst naturrichtig ausrichte. […] Die 120 Jahre sind sogar ‘wissenschaftlich wasserdicht’, Beispiele von höchstaltrigen Rohköstlern sind in der Literatur bekannt …

Tja, Rohkost ist nicht annähernd so gesund, wie man uns gern glauben macht. Viele Aspekte dieser Ernährung sind durchaus positiv, wenn man sie in Maßen umsetzt. Andererseits sind so gut wie alle Rohköstler unter- und mangelernährt, sie verlieren mehr Gewicht, als sie eigentlich sollten und sind folglich untergewichtig. Ein konsequenter Rohköstler hat eine deutlich geringere Lebenserwartung als ein sich gesund ernährender Mensch (wenig Fleisch, viel Gemüse und Obst, Ballaststoffe etc.). Schon der Homo erectus, der vor etwa 1,9 Millionen Jahren zum ersten Mal auftauchte, bereitete seine Speisen über dem Feuer zu. Ein Alter von 120 Jahren erreichen nur die wenigsten Menschen. Leider war Payoli auf Anfrage nicht bereit mir Quellen oder namentliche Beispiele zur Selbstrecherche zu liefern, Zitat:

Leute, die nicht in der Lage sind bei all unseren heutigen (Internet-)Möglichkeiten die Arbeiten zu finden, in denen unsere biologisch angelegte Lebenserwartung von 120 Jahren herausgearbeitet wird, sind nicht meine Klientel.

Grundsätzlich sehe ich das so ähnlich. Leute, die in Foren einfachste Frage stellen und ganz einfach zu faul sind, Google zu nutzen, gehen mir gehörig auf den Senkel. Wo allerdings nichts zu finden ist, da kann auch nichts zu Tage kommen. Wikipedia berichtet von einigen sehr alten Rohköstlern, die allerdings maximal 99 wurden. Nimmt man sich jedoch 100.000 Menschen und vergleicht deren Alter, so werden stets einige die 100er-Marke sprengen. Tut man das selbe bei Rohköstlern, so ist dasselbe zu erwarten, auch wenn diese aufgrund ihrer ungesunden Ernährung eher früher als später sterben. Ebenso existieren zahlreiche Gegenbeispiele von Rohköstlern, die schon mit 59 oder 63 ins Gras bissen. Von teilweise skandalösen Fällen, in denen radikale Rohköstler-Eltern den Mangeltod ihrer Neugeborenen verschuldeten, will ich hier gar nicht erst anfangen. Fairerweise sei erwähnt, dass man sein Kind auch auf andere Weise umbringen kann und die Mehrzahl der Rohköstler sicherlich vorsichtiger ans Elternsein herangeht.

Wie wir sehen sind alle hier aufgelisteten Thesen Payolis entweder eindeutig falsch oder doch sehr zweifelhaft. Ich persönlich habe überhaupt nichts gegen Menschen, die eine gesunde Ernährung propagieren, damit Krankheitsrisiken senken, das Gesundheitssystem entlasten und natürlich auch die Lebensqualität der Menschen verbessern. Wenn aber Ernährungsfanatiker wie Payoli die moderne Medizin als solches ablehnen, von Vorsorgeuntersuchungen abraten und Impfungen verteufeln, dann hat das sehr wohl negative Auswirkungen. Menschen, die sich vertrauensvoll auf solche selbsternannten Propheten berufen und ihren Kindern sinnvolle Schutzimpfungen vorenthalten, müssen dann eventuell damit fertig werden, dass ihr Sprössling an Kinderlähmung oder Polio stirbt. Ein Familienvater erfährt, dass man den metastasierenden Darmkrebs schon viel früher hätte entdecken können, wenn er doch ab und zu mal eine Koloskopie gemacht hätte. Solche Menschen verlassen sich auf scheinbar seriöse Personen, die mit einfachen Phrasen wie „natürlich“, „bio“ etc. pp. ihr Geld verdienen. (was „bio“ ist, kann doch nicht schlecht sein). Denn was natürlich ist, muss noch lange nicht gesund sein. Es bedeutet einfach, dass unsere Vorfahren zu ihrer Nahrung kaum eine Alternative hatten. Wir haben die schon. Pommes, Mayo und Ethanol sind die eher schlechteren Alternativen (in Maßen kann der Nutzen – zu dem auch das Genießen gehört – natürlich den Schaden überwiegen), gekochte Nahrung und ab und zu Fleisch die besseren.

Also liebe Leser: Gebt euren Kindern Bananen und Äpfel mit in die Schule, statt sie mit Kinderbueno vollzustopfen (wer glaubt, das Weiße in Kinderschokolade sei wirklich gesunde Milch, der lebt doch hinterm Mond!), verzichtet öfter mal auf Fleisch (Was hier in Deutschland als vegetarische Kost auf den Tisch kommt, ist NICHT das Maß aller Dinge. Wie es richtig geht, zeigen viele indische und afrikanische Gerichte!), belästigt euren Hausarzt nicht 18 Mal im Jahr (Bundesdurchschnitt) und bewegt euch doch bitte ein bisschen. Sport ist keine Quälerei. Ich würde nie Sport treiben, wenn ich es nicht mögen würde. Man spielt Badminton, weil man das Spiel mag, nicht weil man auf Teufel komm raus abnehmen will. Wenn ihr aber ein echtes Problem habt, dann legt euer Leben in die Hand der modernen Medizin und glaubt bloß nicht, dass Gartenkräuter gegen Metastasen anstinken könnten.

In diesem Sinne schließe ich mit drei weiteren, sehr amüsanten Payoli-Zitaten:

Mich interessiert das Verdienen beim Gesundheitsthema überhaupt nicht!

Deine Gesundheitstipps sind für meinen Job das Problem Nr.1!

Ich halte Vorträge darüber, gebe Seminare und bin am Aufbauen eines Seminar- und Lebens- Zentrums …

Fotos: Rainer ZenzScott Bauer

Das giftigste Tier der Welt … na welches denn nun?


Obwohl sie meistens auf weit entfernten Kontinenten zu finden sind haben vor allem wir Europäer gehörigen Respekt vor speienden Schlangen, gruseligen Spinnenwesen und meterlangen Quallen. Alleine auf die spezifische Suchanfrage „giftigstes Tier der Welt“ liefert Google ca. 10.600 Ergebnisse, auf Englisch („most poisonous animal“) sind es ganze 23,6 Millionen. Stöbert man in verschiedenen Foren, so findet man stets unterschiedliche Angaben, die von den Autoren auch sehr vehement vertreten werden („XYZ ist das giftigste Tier, habe ich letztens im ABC-Kanal gesehen/gehört!!!“) So eindeutig ist die Sachlage jedoch nicht.

Nach eingehender, aufopferungsvoller Lektüre verschiedener Foren, der Wikipedia und verschiedener Webseiten (weitere Mühen spare ich mir, obwohl ein Biologe oder Chemiker vl. mehr dazu sagen könnte) fällt auf, dass drei Namen immer wieder auftauchen (wenn man von nicht ernst zu nehmenden Beiträgen, in denen Vogelspinnen oder Kobras als giftigstes Tier deklariert werden, einmal absieht): Der südamerikanische Pfeilgiftfrosch, die

King of poison: Krustenanemone

King of poison: Krustenanemone

Würfelqualle(n) und die Krustenanemone. Oft wird behauptet, sie produzierten die giftigsten natürlichen Toxine … was erst einmal falsch ist.

Das giftigste natürliche Toxin wird von einem Bakterium namens Clostridium botulinum produziert. Bei Inhalation reichen bereits 3 Nanogramm pro kg Körpergewicht, um einen Menschen zu töten, intravenös ist es sogar nur 1 ng/kg. Damit ist das Botulinumtoxin – das Frauen sich in stark verdünnter Form als Botox vom Onkel Doktor gerne mal unter die Haut spritzen lassen, weil es die Nerven lähmt und somit Falten glättet – das stärkste bekannte Gift natürlicher Herkunft, das der Wissenschaft bis jetzt unters Mikroskop gekommen ist. Frage beantwortet? Mitnichten.  Clostridium botulinum ist ein Bakterium, und die gelten nicht als Tiere.

Also zurück zu Kugelfisch & Co. Die Frage, die sich aufdrängt, lautet: Wie misst man Giftigkeit? Zählt der prozentuale Anteil der am Stich/Biss verstorbenen Menschen oder sollte man alleine die biologische Wirkung betrachten? Was nützt einem Tier seine hochtoxische Substanz, wenn es diese nur in geringsten Mengen oder sogar gar nicht ausscheiden kann (Kugelfische, die Selbstmordattentäter unter den Tieren, müssen erst gefressen werden, um den Fressfeind zu vergiften).

Ein wichtiger Indikator zur Bestimmung der Wirksamkeit ist die letale Dosis. In umstrittenen Tierversuchen werden im Labor Mäuse vergiftet und dadurch die benötigte Menge des Toxins pro Kilogramm Körpergewicht ermittelt (g/kg). Der bekannteste Indikator ist die LD50 (steht für „letale Dosis“ und 50%). Sie gibt

Die Nummer 2: Pfeilgiftfrosch

Die Nummer 2: Pfeilgiftfrosch

an, welche Menge nötig ist, um 50% der getesteten Population zu töten. Weiterhin gibt es da noch die LD75 (tödliche Dosis), LD99 (sicher tödliche Dosis) und LD100 (absolut tödliche Dosis).  Sinn machen die letzten beiden Werte allerdings kaum, da ein einziges sehr widerstandsfähiges Versuchstier (oder ein besonders schlaffes Exemplar) die Reihe so verfälschen kann. Listen wir also die drei genannten Tierarten nach LD50 auf:

Seewespe: 0.04 mg/kg

Anemone: 0,00015 mg/kg

Frosch: 0,0002 mg/kg

Die Krustenanemone geht also in Führung, es folgen der flotte Hüpfer und die Seewespe. Richtet man sich nach der TU-Darmstadt (siehe Quelle), der ich mehr vertraue, als Internetforen-Disputanten, dann müsste das Ranking allerdings anders aussehen, nämlich so:

1. Krustenanemone (0,00015 mg/kg)
2. Pfeilgiftfrosch (0,0002 mg/kg)
3. Kugelfisch (0,008 mg/kg)
4. Blauring-Krake (0,02 mg/kg)
5. (Küsten-)Taipan (0,025 mg/kg)
6. Würfelqualle/ Seewespe (0.04 mg/kg)
7. Kegelschnecke (?)
8. Steinfisch (0,2 mg/kg)
9. gelber Mittelmeerskorpion (0,33 mg/kg)
10. Trichterspinne A. robustus (0,2 – 1,5 mg/kg)
Damit hätten wir das also geklärt. Das giftigste Tier der Welt ist … (tadaaa) … die Krustenanemone!

Wer nur die Giftigkeit alleine wissen wollte, kann hier seine Lektüre beenden. Allerdings ist ja auch die Gefährlichkeit für den Menschen interessant. Da kein halbwegs vernünftiger Mensch in einen lebendigen Kugelfisch beißt, der gerade so vorbeischwimmt, kann man ihn ruhig von der Liste streichen. Und schon wartet das nächste Problem: auch die LD50 unterliegt diversen Bedingungen. Geschieht die Exposition nur durch Berührung, subkutan oder sogar intravenös? Im letzten
Ganz weit vorne: Seewespe

Ganz weit vorne: Seewespe

Falle kann die Wirkung des Giftes um ein Vielfaches stärker sein. Die Nesseln der Würfelquallen können mehrere Meter lang werden und haften an menschlicher Haut, sind mechanisch und mit Wasser nicht zu entfernen und nur Essig hilft, aber wer nimmt den schon mit an den Strand?. Ein hoffnungslos verhedderter Mensch darf also tatsächlich alle Hoffnungen aufgeben, denn da kommt er bestimmt nicht lebend heraus. Beim Pfeilgiftfrosch reicht schon eine Berührung der Haut, über die dieser das Gift absondert, aus. Allerdings sind Pfeilgiftfrösche, aus denen die Amazonasindianer das Curare für ihre Blasrohre gewinnen (oder eher gewannen), in deutschen Terrarien völlig ungiftig. Das Toxin nehmen sie über die Nahrung auf, im brasilianischen Regenwald futtern sie haufenweise giftiges Getier und lagern dessen Gift ein. Keine Gifttierchen als Nahrung, kein Gift in der Haut.

An diesem Punkt werde ich meine Betrachtungen wohl oder übel beenden müssen. Ich habe nämlich keinen Schimmer, wie einige der anderen Tiere in dieser Liste ihr Gift abgeben, mir fehlen die Statistiken über Unfälle, Antisera, Eindringtiefe der Zähne/Stacheln/Sporen, Verbreitungsgeschwindigkeit der Toxine in Blut, Lymphe oder Interzellularraum etc. Wen das interessiert, der kann ja einfach mal eine Mail an einen Experten schicken oder sich an der nächsten Uni mit zoologischem oder biochemischem Institut informieren. Fragen kostet nichts.

Eine andere spannende Frage ist, welches das giftigste Tier Deutschlands ist. Generell kann man sagen, dass in unseren Breiten sehr viele Gifttiere vorkommen, die aber nur anderen Tieren gefährlich werden können und deren Gift für den Menschen nicht nur vollkommen ungefährlich ist, sondern teilweise auch gar nicht bemerkt wird. Nur zwei Spinnenarten können die menschliche Haut überhaupt durchdringen, die Wasserspinne (Argyroneta aquatica, keine Ahnung wie giftig die ist, aber da sie als einzige Spinne rund um die Uhr unter Wasser lebt, sollte das Risiko gebissen zu werden recht überschaubar sein) und der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium). Dessen Biss wird im allgemeinen als einem Wespenstich ähnlich empfunden, kann aber in seltenen Fällen stärkere Auswirkungen haben. Auch der Biss der Kreuzspinne ist für den Menschen spürbar, erreicht aber maximal die „Stärke“ eines Bienenstichs.

Weltmeister im Giften, aber leider kein Tier: Clostridium botulinum

Weltmeister im Giften, aber leider kein Tier: Clostridium botulinum

Nun zu den Schlangen. Zu nennen wären da die allseits bekannte Kreuzotter (Vipera berus) und die Aspisviper (Vipera aspis). Der LD50-Wert einer Kreuzotter liegt subkutan bei 6,45 mg/kg, intravenös sind es 0,55 mg/kg. In jedem Falle wären die Bisse von mindestens 5 Kreuzottern nötig, um einen 75 kg schweren Menschen zu töten. Was nicht heißen soll, dass der Biss einer Kreuzotter nicht schmerzhaft und für Kinder und alte Menschen tatsächlich gefährlich wäre. Sollten Sie also bemerken, wie eine ca. 80 cm lange Schlange sich der Wiege Ihres Sprösslings nähert, dann bedenken Sie: der Name Ihres Kindes ist nicht Herakles (der erwürgte als Kleinkind zwei Riesenschlangen, die die eifersüchtige Hera nach ihm aussandte), also greifen Sie wahlweise zum Baseballschläger oder rufen das Panzerbataillon Ihres Vertrauens.

Nun also zur Aspisviper (Vipera aspis). Diese kommt in Deutschland nur in einem etwa 40 Quadratkilometer großen Areal im südöstlichen Schwarzwald vor, ihr Gift ist außerdem schwächer als das der Kreuzotter (intravenös nur halb so stark) und in geringeren Mengen vorhanden. Allerdings variiert die Toxizität des Giftes geographisch, die schweizer Population ist am giftigsten. Die LD50 Werte sind 1 mg/kg intravenös, 1 bis 2 mg/kg subkutan und 4,7 mg/kg intramuskulär.

Fotos: Ron Chumley, Peter Voeth, Wikipedia, Center for Disease Control and Prevention

Quellen: TU-Darmstadt, Wikipedia

P.S. Da mein PC (oder WordPress, oder das Internet, wer weiß das schon) mal wieder elendig lange fürs Publizieren brauchte und zwischendurch abschmierte, hatte ich keine Muße mehr fürs Fehlerlesen. Bitte reumütigst um Verzeihung für eventuelle orthographische Eskapaden.

P.P.S. Ich habe keine Ahnung, warum WordPress den Beitrag durch komische Wechsel der Schriftart verunstaltet – im Editor sah das alles noch gut aus.

P.P.P.S. Über drei Jahre nach Veröffentlichung dieses Artikels hat der Autor mittlerweile eine Zeit lang auf dem afrikanischen Kontinent gelebt, wurde dort von afrikanischen Hornissen gestochen, ist fast auf einer meterlangen Giftschlange ausgerutscht und studiert nun in Australien, wo ein Großteil der giftigsten Tiere des Planeten kreuchen und fleuchen. No risk, no fun, was?

Populäre Irrtümer (III) – Erkältung durch Kälte?


Da sitzt sie und meckert. „Macht doch endlich mal das Fenster zu, es ist arschkalt. Muss ich mich erst erkälten?!“ Klar ist ihr kalt, es ist Anfang Januar und Mrs. „Für-mich-ist-immer-Sommer“ sitzt in kurzärmeliger Seidenbluse im Unterricht.  Okay, dass ihr kalt ist interessiert mich nicht die Bohne (zieh dich doch vernünftig an!), aber wird sie sich vielleicht doch noch erkälten? Die ebenso klare wie simple Antwort lautet ‚eher nicht‘. Denn die Temperatur hat so gut wie nichts mir grippalen Infekten zu tun, von denen hier die Rede ist.

Ein grippaler Infekt (der von einer wirklichen Influenza unterschieden werden muss) wird durch Viren ausgelöst, teilweise von Bakterien begünstigt. Wikipedia geht von 40 % Rhinoviren, 10–15 % RSV und 10–25 % Coronaviren aus. Diese werden durch die gute alte Tröpfeninfektion übertragen, soll heißen: Niesen, Husten, Spucken, nasse Aussprache etc. Preisfrage: Wo ist man dem am ehesten ausgesetzt? Richtig, in überfüllten Räumen. Da die Viren auch außerhalb des Wirtes einige Zeit in der Luft überleben können ist regelmäßiges Stoßlüften eminent wichtig. Auch kontaminierte

Schert sich einen feuchten Kehricht ums Thermometer: böser Virus

Schert sich einen feuchten Kehricht ums Thermometer: böser Virus

Gegenstände, benutzte Taschentücher, Türklinken etc. können mit Viren behaftet sein. Man drückt eine Türklinke, fährt sich kurz durchs Gesicht (Nase juckt) und schon hat man die Viren an den Schleimhäuten kleben. Sind die durch trockene Heizungsluft zusätzlich ausgetrocknet, hat der Virus beste Erfolgschancen.

Warum aber tritt der grippale Infekt besonders in der kalten Jahreszeit gehäuft auf? Ganz einfach, weil man sich im Winter oft in überfüllten (alle drinnen, keiner draußen), schlecht gelüfteten (kalt, Vorurteil wegen Erkältungen) Räumen aufhält. Diese sind das perfekte Milieu für Rhinoviren und ihre Artgenossen, hier fühlen sie sich wohl und können sich ungehindert ausbreiten (Gwaltney, 1995). Gleichzeitig zeigen die Viren in den winterlichen Monaten eine deutlich erhöhte saisonale Aktivität und neben der trockenen Heizungsluft trocknet auch die winterliche Kälte die Schleimhäute aus (Lowen et al, 2006). Dass Erkältungen im Regenwald der Amazonasregion genauso häufig auftreten wie in Kairo, Mumbai oder Sibirien, zeigt ebenfalls, dass Kälte nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Eine lange, intensive Kälteeinwirkung kann das Immunsystem schwächen (Johnson and Eccles, 2005). Dass es Menschen allerdings nicht krank macht, sieht man an den Inuit. Denen müsste dann theoretisch dauernd die Nase laufen … tut sie aber nicht. Kälte kann den Ausbruch der Krankheit nach der Infektion also nur begünstigen. Insgesamt kommen jedoch alle Untersuchungen zum Zusammenhang von Kälte und Infekten zu einem „kann“, „könnte“, „unter Umständen“ etc.

Deshalb: Offenes Fenster hat nicht nur keine negativen Auswirkungen auf das Immunsystem, es kann Erkältungen sogar verhindern. Ein kleiner Spaziergang auf Svalbard schützt den Virophoben besser vor Infekten, als Höchsttemperaturen im überfüllten Klassenzimmer.

P.S. Kiiinners, vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen!!!

Foto: Pixelio

Populäre Irrtümer (II) – Schalldämpfer


Plop – da fällt er um der Gangster, und keiner hat´s mitbekommen. James Bond hebt seine schallgedämpfte Waffe (für Firma und Modell fragen Sie bitte den Waffennarren Ihrer Wahl)

Schalldämpfer aller Größen

Schalldämpfer aller Größen

und bläst den Rauch von der Mündung. Schallgedämpfte Waffen töten schnell, effizient und so leise, dass der Wachmann im Nebenraum getrost weiter seine Sitcom schaut. Denkste!

Schallgedämpfte Waffen sind der Liebling eines jeden Actionregisseures. Muss Tom Cruise mal wieder in einen feindlichen Firmenkomplex eindringen und lautlos Wachleute beseitigen, Sam Fisher seine Jagd auf USB-Sticks eröffnen oder Leon der Profi zusammen mit seiner kleinen Schülerin orange Jogger wegpusten, dann sitzt meistens eine kleine schwarze Röhre auf der Mündung der bevorzugten Kanone. Ein hohes (durch Worte nicht zu modellierendes) „Plopp“ ertönt und das Opfer sackt in sich zusammen. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Selbst stark gedämpfte Waffen sind noch deutlich hörbar, vor allem in geschlossenen Räumen. Der Grund liegt im Konstruktionsprinzip von Waffe und Dämpfer.

Der Knall einer Waffe besteht aus zwei Komponenten. Da wäre zum einen der Mündungsknall. Dieser entsteht durch die expandierenden Gase, die das Projektil beschleunigen und aus dem Lauf heraus treiben. Natürlich machen die Gase nicht an der Mündung halt und verflüchtigen sich dann leise, sondern knallen mit heraus. Eben das kann ein Schalldämpfer verhindern. Der Tubus enthält mehrere Lamellen (siehe Bild), die das Projektil durch ein Loch in der Mitte kontaktfrei passiert. Die Gase werden jedoch Kammer für Kammer

verlangsamt, ebenso wie der Schall, der mehrfach reflektiert wird und teilweise destruktiv interferiert. Da heiße Gase ein größeres Volumen haben als kalte, versucht man durch die Verwendung von gut wärmeleitenden Materialien eine schnelle Abkühlung zu gewährleisten.

Da wäre allerdings noch Geräuschquelle Nummer 2, der Überschallknall. Genau wie ein Kampfjets erzeugt auch ein Projektil beim Durchbrechen der Schallmauer einen gut hörbaren Knall, und den kann kein Schalldämpfer verhindern, da das Geschoss erst außerhalb der Waffe seine volle Geschwindigkeit erreicht. Daher werden Schalldämpfer oft in Verbindung mit

Schalldämpfer im Querschnitt

Schalldämpfer im Querschnitt

Unterschallmunition verwendet, was natürlich den Nachteil einer geringeren Durchschlagskraft und Schadenswirkung mit sich bringt. Aber auch so lassen sich die Geräusche der Waffe nicht auf ein einfaches „Plopp!“ reduzieren, denn auch langsame Munition erzeugt durch die Reibung an der Luft gut hörbare Geräusche. Wer sich den Unterschied zwischen gedämpften und ungedämpften Waffen einmal anhören möchte, der findet unten ein paar Youtube-Links.

Der WDR beziffert das Schluckvermögen eines Schalldämpfers mit bis zu 30 Dezibel, teilweise sind sogar mehr drin. Wenn man aber von einer realistischen Lautstärke von 120 – 140 Dezibel ausgeht, reduziert der Dämpfer den Knall im besten Fall auf 80 Dezibel – das entspricht in etwa dem dem Lärm einer Kettensäge in 10m Entfernung. Subjektiv immer noch geräuschvoll.

Es gibt tatsächlich penibel optimierte Waffen – teils ist der Schalldämpfer integriert – die den Knall sehr stark reduzieren (zu nennen wäre hier besonders die MP5 SD6). Mit dem im Film vermittelten Bild hat aber auch das nicht viel zu tun. Tatsächliche Agenten von Mossad & Co müssen sich also gewieftere Methoden einfallen lassen, als einfach ein Röhrchen auf die Waffe zu schrauben und dann drauf los zu ballern.

P.S. Das sollte zwar eigentlich eine wöchentliche Rubrik werden, aber ich konnte mich nicht zurückhalten.

Hier gibt jemand mit seiner MP5 SD6 an / Demonstration mit einer M14 / 9mm ohne und mit Schalldämpfer

Foto oben: gemeinfrei Foto Mitte: Deutsches Patentamt

Populäre Irrtümer (I) – Pflanzen, Wasser, Sonnenschein


Immer wieder liest man es, immer wieder wird es geraten und verbreitet, vom Nachbarn, unter Freunden, von selbsternannten Experten. Populäre Irrtümer und ihre modernen Ableger, die Urban Legends, halten sich oft hartnäckig. Wer hat nicht von seinen Eltern zu hören bekommen, Vogelbeeren seien giftig und Pflanzen dürfe man nicht im vollen Sonnenschein gießen? Und so bereitet mir die Lektüre der „Stimmt´s?“-Kolumne in der ZEIT ein wöchentliches Vergnügen. Da Deutschlands beste Qualitätszeitung allerdings nur ganze 2,5% der deutschen Bevölkerung erreicht und es auch anderen Quellen bisher schwer fällt, die ganze Menschheit aufzuklären, gibt´s nun hier eine wöchentliche Reihe zu populären Irrtümern.

Beschäftigen wir uns heute also direkt einmal mit dem oben genannten Mythos des Sprengens (mit Wasser, TNT kann dem britischen Rasen tatsächlich gefährlich werden).  Dieses schädige angeblich die Pflanzen, wenn es zur Zeit einer starken Sonneneinstrahlung stattfindet, also z.B. an Sommermittagen. Als Grund wird der sog. „Brennglaseffekt“ angegeben. Die

Verbrennen angeblich Blätter: Wassertropfen im Sonnenschein

Verbrennen angeblich Blätter: Wassertropfen im Sonnenschein

Wassertropfen auf den Blättern fokussierten angeblich das einfallende Licht, sodass es die Blätter schädigt, im schlimmsten Falle sogar entzündet.

Dass dies nicht stimmen kann, erläutert Christoph Drösser in der ZEIT vom 30.07.2009. Nur ein perfekter Tropfen von der Form einer Halbkugel kann tatsächlich Strahlen bündeln und diese auf die Oberfläche des Blattes lenken. Diese gebündelten Strahlen können auf der Oberfläche natürlich extreme Temperaturen erzeugen (Herr im Himmel, nimm die von mir verkokelten Ameisen in dein Reich auf und vergib mir meine Schuld), allerdings an der Luft. Im konkreten Falle liegt der Fokuspunkt allerdings im vom Wasser des Tropfen bedeckten Bereich der Blattoberfläche, das Wasser kühlt also das Blatt. Die Wärme wird an die Flüssigkeit abgegeben und diese verdunstet (was sie bei den gegebenen sommerlichen Temperaturen auch ohne Brennglaseffekt täte). Solange noch Wasser vorhanden ist, kühlt es das Blatt, ist es weg, kann es auch keine Sonnenstrahlen mehr bündeln.

Einen weiteren Effekt lässt die Kolumne allerdings aus: den der Spaltöffnungen (Stomata). Diese kontrollieren den Gasaustausch der Pflanze. In Internetforen wird oft behauptet, zum Schutz vor zu starker Verdunstung und einer daraus resultierenden Austrocknung würden die Pflanzen ihre Spaltöffnungen bei starker Sonneneinstrahlung schließen. Ein Gießen der Pflanze im Sonnenschein führte folglich dazu, dass diese an eine Regensituation mit Wolken „dächte“ und ihre Stomata wieder öffnete, was aufgrund der Hitze fatale Folgen durch zu starke Verdunstung hätte. Dass die durch das Gießen zugeführte Wassermenge dieses wieder ausgliche, wird nicht bedacht und ohnehin behauptet Wikipedia da etwas ganz anderes:

Solange Sonne auf die Schließzelle scheint, wird durch diese Reaktionen das Stoma offengehalten, je stärker die Sonne, desto praller sind die Schließzellen und umso weiter ist die Spaltöffnung geöffnet. Lässt die Lichtintensität nach, so finden alle Reaktionen nicht mehr in vollem Umfang statt, der osmotische Wert der Schließzellen nimmt ab und sie werden schlaff – die Stomata schließen sich.

In dem Falle, dass betreffende Personen Recht hätten und starke Sonneneinstrahlung die Stomata schließen würde, griffe wohl dieser Mechanismus:

Nimmt stattdessen die Wasserzufuhr der Pflanze ab, verringert sich insgesamt der osmotische Druck der Pflanzenzellen, weniger Wasser diffundiert in die Schließzellen und die Stomata schließen sich ebenfalls. Durch die Verengung der Stomata transpiriert die Pflanze weniger, sie trocknet langsamer aus.

Die Pflanze hat also tatsächlich einen Mechanismus, der sie vor Austrocknung schützt, aber dieser wird durch die Wasserzufuhr geregelt. Entgegen der herrschenden Meinung verbrennen Pflanzen also nicht, wenn sie in der prallen Sonne gegossen werden.

P.S. Eine Ausnahme gibt es: bei Farnen, die mit langen Härchen versehen sind, können Wassertropfen sich an selbigen ablagern und tatsächlich Lichtstrahlen auf die entfernte Blattoberfläche fokussieren. Da diese auch nicht durch die Flüssigkeit des Tropfens gekühlt wird, kann es in diesem Falle zu Verbrennungen kommen.

In der nächsten Folge geht´s dann um die bei Profikillern und Actionregisseuren beliebten Schalldämpfer.

Quellen: ZEIT Online und die allseits beliebte Wikipedia

Foto: Heinrich Lange/ Pixelio