Eurovision Song Contest 2010 – Wie immer sinnlos, aber lustig


Es war wieder so weit – der größte und gleichzeitig qualitativ schlechteste internationale Musikwettbewerb hat 125 Millionen Zuschauern Musiker vor Augen geführt, die man eigentlich gar nicht sehen wollte. Und doch lief es dieses Mal irgendwie anders. Hatte man bisher eigentlich nur aufgrund des Fremdschäm- („Guckste mal Heinrich, da singt jemand noch schlechter als du!“) und Belustigungsfaktors eingeschaltet, so bestanden dieses Jahr tatsächlich Chancen für einen deutschen Sieg. Auch wenn die Kandidatin tanzt wie ein betrunkener Schimpanse und den Ruf des British English beinahe ruinierte, gewann diesmal ein qualitativ hochwertiger Beitrag. Irgendwie war es doch toll: ich war stolz auf die deutschen Massen bei der interaktiven Musiknummer, habe mir beim Anblick des serbischen Hermaphroditen fast in die Hose geschifft und dachte bei seinem Gesang an ein Dr. Cox Zitat („Oh Gott! Ich muss mich zur gleichen Zeit übergeben, und weinen. Ich … muss mich überweinen!„), fand das Zusammenspiel zwischen Lena und ihren Backgroundsängerinnen miserabel und amüsierte mich über die regelmäßigen Meldungen meines Vaters (Kommentar beim serbischen Auftritt: „Warum fängt der an zu wiehern?!„).

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Wie immer tauschten die Osteuropäer ihre Stimmen untereinander, wie mein Bruder seine Panini-Bilder, in Nordeuropa tat man es ihnen gleich. Bis auf wenige Ausnahmen hatte allerdings jeder noch etwas für Deutschland übrig. Okay, „etwas“ ist vielleicht ein bisschen untertrieben. Russlands grandiose Publicity konnte den eigenen Beitrag nicht über die 100 Punkte Marke hieven: Die Invasion in Georgien beeindruckte die Bürger des Landes ebensowenig, wie die Drohung an sämtliche Nachbarn, bei einem schlechten Abschneiden die Gaslieferungen einzustellen. Griechenland erwies sich als ziemlich undankbar und vergalt deutsche Milliarden mit mageren 2 Punkten. Polen hingegen zeigte sich über das Fluten westlicher Hochwassergebiete sehr erfreut, nahm die subtil plazierten Panzerbrigaden an der brandenburgischen Grenze zur Kenntnis und revanchierte sich mit grandiosen 7 Punkten. Weißrussland, Europas letzte echte Diktatur, setzte die Annäherung an Mütterchen Russland fort, Israel zeigte sich von deutschen Bestechungsversuchen in Form vergünstigter U-Boote jedoch unbeeindruckt und setzt das seit 65 Jahren anhaltende Dauerschmollen fort. England schließlich rächte sich für die deutsche Schmutzkampagne gegen die nobelste Sprache der Welt, das britische (!) Englisch („kAnt“, nicht „kännt“!), und gönnte der neunzehnjährigen Hannoveranerin mit dem Akzent eines Bauern aus dem australischen Outback nur 4 Punkte.

Nun freuen wir uns also auf die morgige BILD („Wir sind Eurovision Song Contest!“), beobachten die ausländischen Charts und erwarten den grandiosen Empfang in Hannover. Das einzige, was Lena nun noch fehlt, ist die erste Biographie. Wird aber auch Zeit, sie ist ja schon 19!

Foto: Wikipedia

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3 Kommentare zu “Eurovision Song Contest 2010 – Wie immer sinnlos, aber lustig

  1. Schande über mein Haupt! Merkte erst relativ spät, dass es sich ja lohnen könnte, die Ergebnisse mitzuschreiben, und auch da habe ich die Punkte nur in meinem (sehr unzuverlässigen) Kopf gespeichert.

    Danke für die Korrektur!

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