Populäre Irrtümer (III) – Erkältung durch Kälte?


Da sitzt sie und meckert. „Macht doch endlich mal das Fenster zu, es ist arschkalt. Muss ich mich erst erkälten?!“ Klar ist ihr kalt, es ist Anfang Januar und Mrs. „Für-mich-ist-immer-Sommer“ sitzt in kurzärmeliger Seidenbluse im Unterricht.  Okay, dass ihr kalt ist interessiert mich nicht die Bohne (zieh dich doch vernünftig an!), aber wird sie sich vielleicht doch noch erkälten? Die ebenso klare wie simple Antwort lautet ‚eher nicht‘. Denn die Temperatur hat so gut wie nichts mir grippalen Infekten zu tun, von denen hier die Rede ist.

Ein grippaler Infekt (der von einer wirklichen Influenza unterschieden werden muss) wird durch Viren ausgelöst, teilweise von Bakterien begünstigt. Wikipedia geht von 40 % Rhinoviren, 10–15 % RSV und 10–25 % Coronaviren aus. Diese werden durch die gute alte Tröpfeninfektion übertragen, soll heißen: Niesen, Husten, Spucken, nasse Aussprache etc. Preisfrage: Wo ist man dem am ehesten ausgesetzt? Richtig, in überfüllten Räumen. Da die Viren auch außerhalb des Wirtes einige Zeit in der Luft überleben können ist regelmäßiges Stoßlüften eminent wichtig. Auch kontaminierte

Schert sich einen feuchten Kehricht ums Thermometer: böser Virus

Schert sich einen feuchten Kehricht ums Thermometer: böser Virus

Gegenstände, benutzte Taschentücher, Türklinken etc. können mit Viren behaftet sein. Man drückt eine Türklinke, fährt sich kurz durchs Gesicht (Nase juckt) und schon hat man die Viren an den Schleimhäuten kleben. Sind die durch trockene Heizungsluft zusätzlich ausgetrocknet, hat der Virus beste Erfolgschancen.

Warum aber tritt der grippale Infekt besonders in der kalten Jahreszeit gehäuft auf? Ganz einfach, weil man sich im Winter oft in überfüllten (alle drinnen, keiner draußen), schlecht gelüfteten (kalt, Vorurteil wegen Erkältungen) Räumen aufhält. Diese sind das perfekte Milieu für Rhinoviren und ihre Artgenossen, hier fühlen sie sich wohl und können sich ungehindert ausbreiten (Gwaltney, 1995). Gleichzeitig zeigen die Viren in den winterlichen Monaten eine deutlich erhöhte saisonale Aktivität und neben der trockenen Heizungsluft trocknet auch die winterliche Kälte die Schleimhäute aus (Lowen et al, 2006). Dass Erkältungen im Regenwald der Amazonasregion genauso häufig auftreten wie in Kairo, Mumbai oder Sibirien, zeigt ebenfalls, dass Kälte nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

Eine lange, intensive Kälteeinwirkung kann das Immunsystem schwächen (Johnson and Eccles, 2005). Dass es Menschen allerdings nicht krank macht, sieht man an den Inuit. Denen müsste dann theoretisch dauernd die Nase laufen … tut sie aber nicht. Kälte kann den Ausbruch der Krankheit nach der Infektion also nur begünstigen. Insgesamt kommen jedoch alle Untersuchungen zum Zusammenhang von Kälte und Infekten zu einem „kann“, „könnte“, „unter Umständen“ etc.

Deshalb: Offenes Fenster hat nicht nur keine negativen Auswirkungen auf das Immunsystem, es kann Erkältungen sogar verhindern. Ein kleiner Spaziergang auf Svalbard schützt den Virophoben besser vor Infekten, als Höchsttemperaturen im überfüllten Klassenzimmer.

P.S. Kiiinners, vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen!!!

Foto: Pixelio

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13 Kommentare zu “Populäre Irrtümer (III) – Erkältung durch Kälte?

  1. Vor bereits 150 Jahren wies Bernard nach, dass ‚der Keim nichts ist‘ und dennoch betest Du noch immer den von Profiteuren gepushten Pasteur- Unsinn nach …

  2. Pasteurs Laboraufzeichnungs- Fälschungen sind ja mittlerweile lückenlos entlarvt … 😉
    Aber auch an diesem Beispiel sieht man wieder, wie sinnlos wissenschaftliche Beweise und wie effizient Selbstversuche sind.
    Über solchen Theorie- Unsinn kann man endlos diskutieren. Ein paar Wochen Selbstversuch aber und man weiß es einfach, dass man locker ohne Schnupfen, Husten und Fieber leben kann.

  3. „Ein paar Wochen Selbstversuch aber und man weiß es einfach, dass man locker ohne Schnupfen, Husten und Fieber leben kann.“

    Ich bin seltenst krank, seit 5 Jahren nicht mehr, um genau zu sein. Das schließt Fieber, Schnupfen und Husten mit ein.

    „Pasteurs Laboraufzeichnungs-Fälschungen sind ja mittlerweile lückenlos entlarvt …“

    Ja, der französische Nationalheld hat oft mit nicht ganz koscheren Methoden gearbeitet. Seine Ergebnisse wurden allerdings vielfach bestätigt, seine Theorien haben sich immer wieder als richtig herausgestellt.

    • Du würdest es auch an zahlreichen anderen Veränderungen merken. Wenn Schweiß, Stuhl, etc. plötzlich reines Wasser bzw. geruchlos und nichtschmutzend sind, wenn es kein Cerumen mehr gibt, die Haare nicht mehr fett werden oder schuppen, wenn Du weniger Schlaf brauchst, …

      Dass es Erreger gibt hat ja auch Bernard nicht abgestritten, bestreite auch ich nicht und somit hat Pasteur natürlich irgendwie ‚Recht‘. Es geht bloß um die Frage, ob ich die von meinem Immunsystem so nebenher beseitigen lasse oder ob ich einen enormen Aufwand mit Hygiene- Pipapo, Pandemie- Hysterien, Medikamenten, Quarantänen usw. betreiben muss.
      Wenn man sich von dieser Bakterien- Hysterie mal frei gemacht hat und richtig hinguckt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Körper diese Viren und Bakterien sogar braucht, um ‚aufzuräumen‘.

  4. „Es geht bloß um die Frage, ob ich die von meinem Immunsystem so nebenher beseitigen lasse oder ob ich einen enormen Aufwand mit Hygiene- Pipapo, Pandemie- Hysterien, Medikamenten, Quarantänen usw. betreiben muss.“

    Da gebe ich Ihnen zum Teil Recht. Wenn ich sehe, wie meine Mitschüler sich schon bei der Andeutung von Kopfschmerzen die Aspirin-Tabletten reinschmeißen und viele Menschen sich schon täglich Schlaftabletten reinhauen, dann befremdet mich das ziemlich. Auch, dass der Deutsche im Durchschnitt 18 Mal im Jahr zum Arzt geht, ist im wahrsten Sinne des Wortes „krank“. Ich komme auf maximal 2 – 3 Mal, wovon eins auf den Zahnarzt (Routineuntersuchung) und ein weiteres auf den Augenarzt (Strabismus) entfällt.

    Andererseits macht das Immunsystem nunmal nicht jeden Erreger einfach so platt. Die meisten, ja, aber gegen HIV (das übrigens von den ach so naturrichtigen Affen auf die Menschenaffen, und von denen auf den Menschen übersprang und nebenbei mutierte) ist halt kein körpereigenes Kraut gewachsen.

    • Österreichs Steuerzahler füttern heute noch die Versuchstier- Schimpansen der Fa. IMMUNO durch, die von diesen …löchern gezielt HIV infiziert wurden, um ihre AIDS- Medikamente auszuprobieren. Diese Schimpansen sind aber bis heute nicht daran erkrankt!

  5. „Diese Schimpansen sind aber bis heute nicht daran erkrankt!“

    Deswegen heißt es ja auch HIV. Was die Affen haben, ist SIV, und daran sterben sie auch meistens, trotz ihrer „naturrichtigen“ Lebensweise. Das ist in diesem Fall keine Frage des Immunsystems, sondern des Virentyps.

  6. Pingback: Gibt's hier schon einen Mich nervt .... Thread? - Seite 1281 - KSG-Forum

  7. Oh man, was fürn Blödsinn.

    Bakterien und Viren gibt es im Sommer wie im Winter. Das man im Winter häufiger krank ist liegt eben wohl an der Kälte. Sie belastet den Körper der mit allen Möglichen Mitteln damit beschäftigt ist die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten und seine Abwehr dadurch vernachlässogt. Bakterien (ob „gut“, oder „böse“) und Viren sind Standard. Es kommt nicht mal eben ein Virus vorbei und macht mich krank. Ich bin umzingelt von Viren und Bakterien die auf einen schwachen Moment des Körpers warten. Dieser kann durch Stress, mangelhafte Ernährung usw. usw. und eben auch durch Kälte begünstigt wären. Das man eigentlich durch einen Virus oder durch Bakterien krank wurde ist somit irrelevant. Die im Text genannte Mitschülerin ist somit sehr wohl GEFÄHRDET durch das offene Fenster (und die damit eindringende Kälte) krank zu werden. Genauso wie jemand der die ganze Nacht nicht Schlafen konnte.

    Mein Rat: Haltet euch warm. Lüftet öfters. Macht gut eingepackt einen Spaziergang in der Kälte mit anschließendem aufwärmen im gemütlichen Zuhause (das wäre eine kurze Belastung des Immunsystems mit erhöhtem Risiko krank zu werden, bei regelmäßigen Kältespaziergängen tritt jedoch ein Trainingseffekt ein, ähnlich wie beim Sport. Während dem Sport ist das Herrzinfarkt Risiko sowie das Schlaganfall Risiko erhöht, bei Regelmäßiger Anwendung überwiegt der Vorteil, aber nur mit anschließender Erholung (z.B. auf der Couch) mit vorwiegend aktiviertem Parasympathikus).

    Ich hoffe das war nicht zu kompliziert, aber ich mag solche vereinfachten und verallgemeinerten Aussagen einfach nicht.

    Hört auf euren Körper nicht auf irgendwelche Artikel!!!

    LG, VerpeilterJunge 😉

    • Ich habe im Artikel erwähnt, dass eine lange Kälteexposition das Immunsystem schwächen kann (Johnson and Eccles, 2005). Das Ausmaß der Korrelation ist allerdings noch kaum bekannt und wird als eher gering gesehen, solange man sein Immunsystem nicht total abschießt, indem man ein Stündchen im Nordpolarmeer badet. Als weitere Faktoren werden engeres Beisammensein in Innenräumen im Winter (Gwaltney, 1995), eine deutlich erhöhte saisonale Aktivität von Rhinoviren im Winter (siehe weiter unten) und die Austrocknung der Schleimhäute durch kalte Luft (Lowen et al, 2006), die weniger Feuchtigkeit aufnimmt als warme Luft, oder trockene Heizungsluft, angenommen.

      Ein weiterer Kälte-Zusammenhang auf der Mikroebene ist der, dass einige für Erkältungen verantwortliche Viren sich als deutlich stabiler bei kälteren Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit gezeigt haben, wie sie im Winter vorkommen. Das hat allerdings nichts mit der menschlichen Körpertemperatur, sondern mit der Umgebungstemperatur zu tun.

      Der assoziierte Zusammenhang Körpertemperatur – Erkältung ist daher drastisch simplifizierend und nur sehr begrenzt richtig.

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