Das geht zu weit: moderne Werbung


Bitte? Spam? Das kannte ich bisher ehrlich gesagt nicht, denn der Spamschutz von GMX scheint doch ziemlich gut zu funktionieren. Aber auch wenn Spam Werbung der übelsten Sorte ist, um diese Form geht es heute nicht. Ich setze also ein Häkchen vor die Mail, schicke sie in den Papierkorb, lese die mehr oder weniger wichtigen und logge mich aus. Ich minimiere Safari, wechsle zu iTunes und starte die momentan favorisierte Musik. „Mother We Just Can´t Get Enough“ tönt aus der Anlage, zumindest einige Sekunden lang. Dann geht das Ganze in einer  gewaltigen, dröhnenden Kakophonie unter. Was zum …? Ich hetze die Maus auf den „Pause“-Button. Der Song unterbricht, der Lärm bleibt. Ich öffne also Safari und vor mir steht der Übeltäter: die Logout-Seite von GMX und ein Werbespot.

In früheren Zeiten (ach war das schön damals, und natürlich sowieso viel besser) war die Werbung des Internets statisch. Die gesamte Werbebotschaft war in einem rechteckigen Feld untergebracht, konnte gelesen oder ignoriert werden. Dann fingen die kleinen Dinger auf einmal an nervig zu blinken, vor allem wenn man als 1.000.000 Besucher der Seite einen BMW erhalten sollte (welcher vernunftbegabte Mensch fällt noch auf so etwas herein?!). Nervte beim Lesen, ließ sich aber irgendwie auch ignorieren.

Irgendwann dachten sich die Schmalzköpfe aus den Marketingabteilungen jedoch ‚Was im Fernsehen funktioniert, das klappt sicher auch im Internet!‘ und spielten von nun an Werbespots ein. Menschen unterhalten sich im Aufzug über Unternehmensstrategien und Hausfrauen präsentieren einem in übelst schlecht snychronisierter Form wie der Fleck ganz schnell vanisht. Glücklicherweise bleibt das ganze visuell: der Ton ist abgestellt, nur die fünf, sechs Menschen, die sich weltweit für diese Form des Marketings interessieren, schalten den Ton dann über ein kleines Symbol ein. Nunja, es blieb

Hoffentlich kein Prototyp: Der Times Square in Manhattan

Hoffentlich kein Prototyp: Der Times Square in Manhattan

visuell, denn der Wandel ist da. Die unerträgliche Lärmbelästigung rührte in meinem Falle tatsächlich von dem Spot her: irgendein Geistesgestörter hüpfte aus einem Flugzeug. Was bitte soll der Quatsch? Das Prinzip der Werbung ist, dass sie Menschen angeboten wird, nicht aufgezwungen. Man versucht möglichst viele Menschen zu erreichen, zu überzeugen, aber das Angebot ist immernoch freiwillig. Wenn ich eine Website aufrufe, dann wegen ihrer Inhalte, mit denen ich mich auseinandersetzen will. Die Werbung kann ich ignorieren. Wenn aber meine Hintergrundmusik, also Prozesse, die mit dem Internet nichts zu tun haben, von Werbung unterbrochen wird, dann ist das quasi ein Eingriff in meinen Arbeitsrythmus!

Zweites Beispiel: ProSieben, irgendeine Serie (war wahrscheinlich Bones). Dramatischer Moment, dann wird weggeblendet. Das Versprechen: Nach einem Spot geht´s weiter. Der Spot läuft im verkleinerten Fenster, am unteren Rand füllt sich eine dieser Leisten, die wir von Computerinstallationen kennen, nur gleichmäßiger (bei anderen Sendern wird einfach die Zeit in Sekunden runtergezählt). Erste Dreistigkeit: Die Leiste stößt ans Ende und der Spot geht noch mindestens 5 Sekunden weiter! Klar, die Leute gucken ja eh weiter und man kann die Zeit schön ausdehnen. Zweite und eigentliche Dreistigkeit: es beginnt die Werbepause! Nichts geht also weiter; dem Zuschauer wird versprochen, dass die geliebte Serie nur für einige Sekunden unterbrochen wird. Käme direkt die ellenlange (bei ProSieben mittlerweile ganze 10 Minuten) Werbepause, spränge der routinierte Zuschauer sofort auf,  erledigte biologisch nötige Geschäfte, trieb Nachschub an Brauereiprodukten etc. auf und bekäme damit von der teuer bezahlten Werbung nichts mit. So kann man ihm zumindest einen Spot aufdrücken.

Schon seit längerem frage ich mich, wo diese Entwicklung hinführt. Werden irgendwann alle Sender die VIVA- und MTV-Masche übernehmen, 2/3 des Bildes mit Werbebanderolen zukleistern und in 1/3 das Wesentliche zeigen? Ich zumindest hoffe auf das Gegenteil. Versteht mich nicht falsch: ich mag Werbung … wenn sie kreativ ist, und damit meine ich entweder überzeugend, innovativ oder witzig (wobei ich Letzteres bevorzuge). Hier mal eine Liste von Werbefilmchen, die (meiner Ansicht nach) witzig sind:

Samsungs Analyse der alten Meister

Feuerwehraktion (beworbenes Produkt leider unklar)

Statt irgendwelche Leute ihre riiieeesige Freude über das Produkt ausdrücken zu lassen, zeigt Peugeot Menschen, die sich einfach anders helfen:

Peugeot Werbung

Bei Edeka lieben scheinbar nicht nur die Kunden das Produkt:

Edeka Werbung

Burger King nimmt den Konkurrenten auf den Arm – der fand das eigenartigerweise nicht so lustig und verbot den Spot. Spaßbremse!

Canal + (Französischer Fernsehsender)

Maggi zeigt neue Formen innerfamiliärer Kommunikation

P.S. Wer mit dem Feuerfuchs unterwegs ist und nicht auf Werbung steht: Das Plugin AddArt ersetzt Werbebanner durch zeitgenössische Kunst!

Foto: Wikipedia

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